Einfacher geht’s nicht!

Heute will niemand mehr ins Seniorenheim. Lieber hätte man so ein schickes neues Badezimmer mit Wellness-Badewanne, Ruhebank und moderner großer „Walk-in-Dusche“, und manch einer träumt auch von einem Schminktisch mit großem Spiegel. Alles natürlich in Holz, Steinoptik oder Terracotta. Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Viel – für viele sogar alles. Dabei geht es nicht um Geschmacksfragen, sondern um ein entscheidendes Stück Lebensqualität. 

Immer mehr Menschen erkennen, dass im Bad die Weichen für ein langes selbstbestimmtes Leben gestellt werden. Damit kann man nicht früh genug anfangen. Eigentlich beginnt es schon im Kindesalter, denn auch die Kleinsten sollen sich im Bad selbstständig bewegen können, ohne dass eine alarmierte Mama ihnen auf Schritt und Tritt folgen muss. Und wenn Papa vor dem Start ins Büro noch schnell seine Power-Dusche genießen will, sollte er nicht an den vom Sohnemann manipulierten Armatureinstellungen verzweifeln. 

 

Gesucht wird in Zukunft also ein Bad, das den Ansprüchen ganz unterschiedlicher Nutzer gerecht wird. Ein „Easy Bathroom“, einfach, praktisch und dazu noch schön. Zeitlos schön: Ein Zimmer für junge und für alte Menschen, die sich nicht alt fühlen. Schließlich kennen Wünsche keine Altersbegrenzung. In der Automobilindustrie wundert sich ja auch niemand, wenn ein 58-Jähriger sich einen Porsche zulegt. Handicaps, gleich welcher Art, dürfen bei der Planung eines Bades nicht im Vordergrund stehen. Vielmehr muss alles das weggelassen werden, was Einzelne diskriminieren würde. Die Kunst liegt in der Reduktion.  

Ein Easy Bathroom vereint nicht nur viele Geschmäcker und Generationen, sondern auch verschiedene Badtypologien.

Früher hießen die Alternativen in der Badplanung Standard, Stilbad, Designerbad oder behindertengerechtes Badezimmer. Doch diese Kategorien verlieren zunehmend an Bedeutung, denn zum einen ist der Designanspruch selbst für Standardlösungen enorm gestiegen, und zum anderen regt sich in den so genannten Wohlstandsgesellschaften ein wachsender Bedarf an Bädern „dazwischen“ – zwischen originellem Designerbad und neutraler Standardlösung, zwischen „barrierefrei“ und Komfortbad. Ein unkompliziertes, elegant-schlichtes Bad ohne viel Firlefanz, in dem man sich „easy“, also auf ganz entspannte Art und Weise wohl fühlen kann. Aber eben auch ein Bad für die Jahre „dazwischen“, in dem die Nutzer den Luxus genießen wollen, den sie sich inzwischen leisten können, mit einer Ausstattung, die ein selbständiges Leben im höheren Alter ermöglicht, ohne dabei an das Älterwerden zu erinnern. 

 

Vor diesem Hintergrund entwickelt die Sanitärbranche Produktprogramme und attraktive Gestaltungskonzepte für Bäder, die auch jenseits der marktüblichen Baunormen eine „unbeschränkte“ Nutzung zulassen – bei höchstem ästhetischem Anspruch. Die Grundidee dabei ist ein Generationenbad, das für jeden und in jedem Alter nutzbar sein soll: pflegeleicht, komfortabel und vor allem leicht zu bedienen. Ebenso wichtig wie die einfache Zugänglichkeit von Waschtisch, Dusche, WC und Badewanne ist dabei die intuitive Nutzungsqualität. In Umkehrung zu dem Technisierungsprozess, der Küche, Wohnzimmer und auch das Bad zu medial vernetzten und funktional aufgerüsteten Schaltzentralen macht, besinnen sich immer mehr Menschen auf die Vorteile eines einfachen Lebens, das nicht unnötig durch Geräte und multifunktionale Ausstattungen kompliziert wird. Sie wollen mit ihrem Mobiltelefon telefonieren und nicht Kochrezepte im Internet googeln. Schließlich ist unser Leben schon kompliziert genug. Sie erwarten vom Baddesign eine Vereinfachung ihres Alltags, gleichzeitig aber auch die Bewältigung schwieriger Situationen, die das Leben mit sich bringen kann. Gutes, universelles Design sollte solche Anforderungen voraussehen.  

Das Easy Bathroom muss sich dem künftigen Bedarf anpassen können

Neben rutschhemmenden Oberflächen, bodengleichen Duschwannen und ausreichend Bewegungsspielraum brauchen Planer und Einrichter nur ein paar einfache Regeln zu berücksichtigen, um ein Bad zu gestalten, das möglichst vielen gerecht wird und bei Bedarf in ein seniorengerechtes oder sogar DIN-konformes, behindertengerechtes Bad verwandelt werden kann. Wenn ein stabiles Vorwandsystem gewählt wird, das auch den Hebelkräften nachträglich installierter Haltegriffe standhält, ist eine Nachrüstung problemlos. 

 

Auch optisch muss heute nichts mehr an ein Reha-Zentrum erinnern. Der immer noch dominante Trend zur minimalistischen Einrichtung und zum XXL-Duschen, aber auch der zunehmende Wunsch nach Integration des Bades in den Wohnraum kommt einer altersgerechten Badeinrichtung prinzipiell entgegen. Eine enge Nische ist natürlich wenig geeignet, um nach Unfällen oder im Alter mit Hockern, Gehhilfen oder Rollstühlen zu hantieren; da sind breite Glastüren für eine bodengleich eingebaute Dusche passender. Modelle, die zum Teil ganz an die Wand geklappt werden können oder, wie die Duschabtrennungsserie S500 von Koralle, förmlich über dem Boden zu schweben scheinen, sind da genau das Richtige für ein modernes, Loft-ähnliches Bad, das für jede Penthouse-Wohnung ein Highlight ist. Auch neutral gestaltete Lösungen für senkrecht und waagerecht angebrachte Haltegriffe für einen sicheren Stand werden heute angeboten. Das in verschiedenen Armaturenoberflächen erhältliche Griffsystem Plan Care von Keuco etwa, das sich durch seine schlichte, geometrische Formensprache überall anpassen kann, „tarnt“ den senkrechten Griff als Brausestange, und der waagerechte Griff kann als Halteelement für einen Einhängesitz dienen. 

 

Abgerundete Kanten und rutschhemmende Bodenbeläge und Fliesen schützen dabei nicht nur gebrechliche Menschen, sondern auch die Jüngsten vor Verletzungen. Und ein niedriger Waschtisch mit breiten Ablageflächen, die zum bequemen Schminken einladen und die tägliche Körperpflege wie auch die kleine Wäsche zappelnder Kleinkinder erleichtern, kommt allen zugute. Beispiele für die Variantenbreite, die ein Generationenbad erschließt, bieten etwa die Kollektionen Lifetime (Villeroy & Boch) oder Dejuna (Keramag). Sie demonstrieren eindrucksvoll die Gestaltungsfreiheit moderner Sanitärkollektionen für die universelle Nutzung. Wenn das Platzangebot stimmt, können solche „Universal Design“-Bäder auch im Nachhinein mit wenig Aufwand noch barrierefrei ausgebaut werden.  

 

Wer an später denkt, sollte beim Einbau von Unterschränken dennoch einen Raumspar- oder Unterputz-Siphon wählen, um den Schrank bei Bedarf abnehmen oder seitlich verschieben zu können, damit Platz für genügend Beinfreiheit und Sitzgelegenheiten geschaffen wird. Hinzu kommen Details, die von der Industrie bei den entsprechenden Produkten schon vorgesehen sind: So erleichtern Griffmulden oder Griffe das Heranziehen, wenn ein Hocker oder ein Rollstuhl benutzt wird. Und wenn der Spiegel tief genug ansetzt, braucht er auch nicht mehr gekippt zu werden, damit sich auch Rollstuhlfahrer und Kinder darin sehen können. Der zum Teil ausgeprägten Sicherheits- und Komfortsensibilität älterer Konsumenten trägt die Industrie mit hygienischen Oberflächen und Produktfeatures wie WC-Duschen, beheizbaren oder mit Sicherheitsleuchten ausgestatteten Sanitärobjekten Rechnung. 

Vor allem aber ist ein „einfaches“ Badezimmer menschlich. Es ist darauf ausgelegt, Fehler zu tolerieren, mitzudenken, Normalität zu vermitteln. Deshalb steht auch die Technik im Dienste des Menschen. Sie hilft nur so weit, wie sie gebraucht wird; danach verschwindet sie wieder aus dem Gesichtsfeld. Einmal eingestellt, reicht ein Knopfdruck, um individuelle Programme mit komplexen Abläufen abzurufen. Nur groß genug sollten die Tasten sein, und niedrig installiert. Damit nicht nur Papa, sondern auch Oma und Enkel in den Genuss eines genau dosierten Wohlfühlprogramms kommen. 

 

Text: Claudia Wanninger