Im Bad mit Philippe Starck: Die Hütte am Strand

09/15

Auch wenn Philippe Starck nicht der Erste war, der sich des Badezimmers annahm, tat es doch keiner so erfolgreich und so radikal. Und vor allem: mit anscheinend so leichter Hand. Seine Zeichnungen und Entwürfe wirken wie geniale Skizzen, hingeworfene Ideen, und doch arbeitet der französische Designer mit Perfektionismus an jedem Detail. Diese Genauigkeit und Beharrlichkeit bei der Umsetzung von Details war sicherlich eine der entscheidenden Voraussetzungen für Philippe Starcks Erfolg im Sanitärdesign. Zur ISH 2015 stellte der französische Star-Designer für den Sanitärspezialisten Duravit wieder zahlreiche Neuheiten vor. Im Interview erzählt Philippe Starck etwas über die wahren Bedürfnisse der Menschen, neue Materialien, Nachhaltigkeit und über seinen Traum von einer Hütte am Strand. 

Der Franzose Philippe Starck (*18. Januar 1949 in Paris) ist vielleicht der bekannteste Designer unserer Zeit. Seine Arbeiten umfassen ein weites Feld vom Interior Design über Produkt- und Fooddesign bis zur Architektur. Starck studierte an der Pariser École Nissim de Camondo, gründete 1968 eine Firma für aufblasbare Objekte und war 1971–72 als Art Director für Pierre Cardin tätig. 1980 gründete er das Produktions- und Marketingstudio Starck Product. Seine undogmatische Vorstellung von einem demokratischen, d.h. erschwinglichen und damit massenkulturell wirksamen Design führte u.a. zu Produktserien für Kaufhausketten. Gleichzeitig entwarf er das Interior Design für eine Reihe von Luxushotels, die — angefangen mit dem Royalton (1988) und dem Paramount (1990) in New York — für die Entstehung eines neuen Hotelimages bestimmend waren. 

 

Foto: Jean-Brice Lemal 

Herr Starck, wie viel Design braucht heutzutage eine Badserie?

Das Design markiert einen wichtigen Moment. Heutzutage ist es in die Gesellschaft integriert - beinahe etwas Normales. Vom Design abgesehen, geht es letztendlich einfach nur um die Ehrlichkeit und den Nutzen eines Produkts. Zunächst sucht man sich absolut ehrliche Partner und zuverlässige Industrieunternehmen wie Duravit aus. Dann entwirft man ein Produkt, das wirklich nützlich ist. Design wird nie Leben retten, aber es kann das Leben leichter machen. Wir entwerfen Designobjekte für einen echten Nutzen. Und deshalb lohnt es sich, mit einem Partner wie Duravit zu arbeiten. Es ist leicht, ein hübsches Objekt zu entwerfen, aber wenn niemand es kauft, ist es uninteressant. Das Schöne ist, das richtige Produkt zum richtigen Preis anbieten zu können. Ich glaube, dass uns genau das mit den neuen Badserien Me by Starck und Cape Cod von Duravit gelungen ist.  

Was war Ihre ursprüngliche Absicht beim Design von Cape Cod für Duravit?

Jeder träumt von einer Hütte am Strand, wo sich das Treibholz sammelt und man das einfache Leben mit der Liebe seines Lebens genießen kann. Ich habe das Glück, so etwas zu haben. Am Anfang habe ich diese Serie nur für mich selbst kreiert. Für mich war es die einfachste und perfekteste Sache, die ich je erschaffen hatte. Nach einer Weile dachte ich jedoch: wie schade, dass ich der Einzige bin, der davon etwas hat! Warum nicht Duravit fragen, ob sie an einer Serien-Produktion interessiert wären? Natürlich waren sie das, und fingen an es in verschiedenen Werkstoffen zu produzieren, die an das Treibholz am Strand erinnerten. 

Wie suchen Sie die Materialien für eine Serie aus?

Es geht vor allem um Nachhaltigkeit. Wir sind auf solche nachhaltigen Grundstoffe zurückgekommen wie echte Keramik und natürliches, hochwertiges Holz. Um den Blick zu erweitern, ist es außerdem wichtig, eine größere Auswahl an Farben zu haben. Die Wahl zwischen hellem und dunklem Holz lässt viel Raum für individuelle Ideen. Wir haben sehr lange an der Cape Cod Badewanne gearbeitet, Millimeter genau, zwischen Form und Funktion, sowie an dem neuen Material, das Duravit entwickelt hat, dem DuraSolid. Es fühlt sich erstaunlich weich, beinahe weiblich, ja sehr menschlich an. Es ist auch besonders leuchtend und intensiv, und außergewöhnlich hart. Dank dem neuen Material DuraSolid konnten wir eine Badewanne wie eine Skulptur erschaffen, mit unglaublichen Lichteffekten, einem subtilen Spiel zwischen Licht und Schatten. 

Erzählen Sie uns von Ihren Grundideen zu den Entwürfen für Duravit.

In der Geschichte von Duravit und insbesondere bei Cape Cod habe ich vorwiegend ikonische Formen angewandt. Manche sagen, diese wären archaisch, aber das sind sie nicht. Archaisch bedeutet mit der Vergangenheit verbunden zu sein, wohingegen Ikonen zeitlos sind. Ich trete in den Hintergrund und versuche alle Zeichen in einen breiteren Kontext zu stellen. Alle Zeichen werden von der Zeit und der Geschichte geprägt und erhalten dadurch eine Bedeutung, die in allen Weltkulturen verständlich ist. Wir wollen einerseits höchste Qualität, akzeptable Preise und Serienanfertigungen, andererseits jedoch auch Unikate für uns selbst. Das ist menschlich. Umso wichtiger ist es, die Nachhaltigkeit von hochwertigen Produkten nicht in Frage zu stellen. Nachhaltigkeit ist grundlegend. Denn man wird nicht alle drei Monate ein Waschbecken austauschen, es ist ein Teil des Hauses und kann Generationen überdauern. Es muss also perfekt gestaltet und perfekt produziert sein.  

Welche zusätzlichen Vorteile bietet Me by Starck für uns als Verbraucher?

Ich habe mich gefragt: Was brauchen wir denn wirklich? Denn alles, was wir nicht wirklich brauchen, ist unnütz. Und alles, was unnütz ist, ist in unserer Gesellschaft gefährlich, und wird auf kurz oder lang überholt sein. Bei dieser Kollektion Me by Starck handelt es sich also hauptsächlich und einfach nur um unsere wahren Bedürfnisse, um Sie und um mich. Ohne definierten Stil, ohne Einflüsse von Trends, ohne Werbungseffekt. Sie dreht sich einfach nur darum, was wir wirklich brauchen. Mit den Produktentwicklern von Duravit haben wir den Fokus auf die wahre Ergonomie, die wahre Gestik gerichtet: es geht darum wie das Wasser am besten fließt, wie man am wenigsten verschmutzt und am leichtesten reinigt. Das wirkt sehr bescheiden, aber wenn man diese Ansprüche mit grundlegender und struktureller Ehrlichkeit angeht, dann entsteht daraus ein außergewöhnliches Objekt. ME ist also einfach das Ergebnis von Ehrlichkeit und strenger Ergonomie. Das ist alles! 

 

Weitere Informationen: 

www.duravit.de 

www.starck.com