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    Interview mit Thilo Dreyer:„Eine ganzheitliche Planung fängt damit an, dass man zuhört.“

    05/12

    Thilo Dreyer, gelernter Gas- und Wasserinstallateur-Meister, spezialisierte sich im Aufbaustudium auf die Badgestaltung und wirbt als Gründungsmitglied von „Aqua Cultura“, einem deutschlandweiten Gütesiegel von Badeinrichtern, für das Vertrauen in die Planungskompetenz des Fachhandwerks. Thilo Dreyer ist zudem SHK-Innungsmitglied und Obermeister der SHK Innung Erlangen. Als Geschäftsführer des Traditionsbetriebs Dreyer Haustechnik GmbH mit Ausstellungen in Erlangen und Nürnberg weiß er, wo die Qualitätsansprüche an ein modernes Wohlfühlbad liegen. 

    Welchen Stellenwert hat das Bad nach ihrer Auffassung heute, und wohin geht die Entwicklung?

    Das Bad wird mittlerweile als echter Lebensraum genutzt und ist auch zu einem Treffpunkt der Benutzer geworden. Dadurch sind die Ansprüche und Erwartungen gestiegen: mehr Wohnlichkeit, mehr Leben, etwa in Form von Musik, Oberflächentexturen, Bodenbelägen usw. Dabei sollen natürlich die Funktionen des gut ausgestatteten Bades gewährleistet sein, aber man muss nicht mehr alles sehen, was nötig ist, um die gewünschte Funktion zu ermöglichen. Das Bad ist der Raum, in dem wir den Tag beginnen und in dem der Tag endet. Dessen sind sich unsere Kunden bewusst und messen dem Bad einen entsprechenden Stellenwert bei. Die knappe Zeit, die uns heute zuhause zur Verfügung steht, wollen wir auch genießen. Und da spielt es eine große Rolle, ob es morgens Spaß macht, einen wohnlichen, verführerischen Raum zu betreten, um die Reinigungsrituale zu begehen, und ob wir uns abends oder auch spät nachts in einem Raum bettfertig machen können, dessen Licht sich der Tageszeit anpassen lässt und dessen Materialien einem schmeicheln. Was die Zukunft anbelangt, so wird sich das Bad mehr und mehr zu einem Raum entwickeln, in dem die Gesundheitsvorsorge im Zusammenspiel mit Wasser im Vordergrund steht.  

    Was verstehen Sie unter einer ganzheitlichen Badplanung?

    Eine ganzheitliche Planung fängt damit an, dass man allen künftigen Benutzern des neuen Bades zuhört, ihre Sehnsüchte kennen lernt, ihre Gewohnheiten und Bedürfnisse – ihre Rituale. Es ist auch wichtig, den Raum als ein Ganzes zu betrachten, bei dem die Produkte erst nach einem schlüssigen Gesamtkonzept eine Rolle spielen. Natürlich ist es wichtig, die richtigen Produkte bzw. Marken auszuwählen – nur darf der Raum nicht um die Produkte herum geplant werden. 

    Was verstehen Sie unter Qualität bei der Badplanung?

    Qualität beginnt mit Qual … Eine Badplanung macht viel Arbeit und bedeutet, sich mit Partnern auseinander zu setzen, von denen der eine seine Vorstellung hat, der andere es aber anders möchte. Uns Planern wird hier die Rolle zugeschoben, einem der Partner Recht zu geben. Somit ist aber der andere der Verlierer. Das ist eine schwierige Gratwanderung. Qualität bedeutet, dass man den Kunden führen kann, ihm die Sicherheit gibt, die er beim Planer sucht. Das bedeutet zum Beispiel auch, dass man für den Kunden eine Vorauswahl trifft und ihn dann in seiner Entscheidung bestätigt. 

    Was hat der potenzielle Kunde davon?

    Bei einem Betrieb, der das Gütesiegel Aqua Cultura trägt, kann der Kunde sicher sein, dass sich der Betrieb mit dem Bad wirklich auseinandersetzt. Er hat es hier mit Menschen zu tun, die Badplanung und –renovierung zu ihrem Steckenpferd gemacht haben. Betriebe, die ein solches Gütesiegel tragen oder auch in Zusammenschlüssen wie Bad & Heizung organisiert sind, tauschen sich aus, entwickeln sich gemeinsam weiter, um immer die neuesten Entwicklungen und Trends zu kennen und Fehler zu vermeiden – nach dem Prinzip: Wenn einer was weiß, wissen es alle. 

    Welchen der drei Trends aus Pop up my Bathroom finden Sie besonders wichtig?

    Das ist so nicht einfach zu beantworten. Alle drei sind von Bedeutung. Das Thema Nachhaltigkeit hat so viele Facetten, dass ich hier keinem einen Vorzug geben möchte. Der Umgang mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen wird immer wichtiger, die Gesundheit spielt auch eine große Rolle, und wir werden immer älter. Gleichzeitig will man aber auf den Komfort nicht verzichten und sich in Räumen zum Leben aufhalten. 

    Für das Trendforum der VDS auf dem ISH-Messestand, der so genannten „Waterlounge“, entwickelten Sie drei Collagentische. Was ist die Idee hinter diesen Visualisierungen?

    Wir nutzen Collagen in unseren Kundengesprächen, um Farb-Stimmungen, Oberflächen und Materialien eines Konzeptes zu verdeutlichen. Gerade wenn man mit Materialmustern spielen kann, wenn man die Oberflächenstruktur eines gebürsteten Natursteins anfasst und erlebt, wenn man die passende Holzart auswählt… dann entsteht eine Vorstellung des Raumes. Die Collagentische zu den drei Pop up my Bathroom-Trends sollen die Stimmungen der jeweiligen Bilder unterstreichen und auch Interpretationen zeigen. Jeder Besucher der Waterlounge darf und soll mixen, kombinieren und vielleicht auch einige für ihn neue Materialien kennenlernen. 

    Haben Sie in Ihrem privaten Badezimmer einen Lieblingsplatz?

    Ja – auf dem Fußboden meiner gespachtelten Dusche. Wenn das warme Wasser aus der Regenbrause auf mich prasselt, kann ich wunderbar abschalten. Eine Kundin hat mir vor vielen Jahren erzählt, dass Ihr Mann so duscht. Ich habe das dann auch ausprobiert und kann es seitdem nur empfehlen. 

     

    Weitere Informationen: 

    www.aqua-cultura.de 

    www.dreyer-gmbh.de