Designlexikon Pop up my Bathroom

Lexikon Badezimmer-Architektur und Design

Seit einigen Jahren zeichnet sich eine zunehmende Unschärfe im Umgang mit Begriffen aus den Bereichen Architektur und Design ab. Zudem trägt die zunehmende Lifestyleorientierung und eine damit einhergehende professionelle Badplanung immer mehr Designbegriffe auch ins Badezimmer.

Wir wollen mit unserem kleinen Designlexikon einen Beitrag dazu leisten, sachlich mit Designbegriffen umzugehen, die uns auch im Badezimmer immer häufig begegnen. Die vorliegende Version des Designlexikons hat natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, doch sie will einen Grundstock an Begriffen liefern, der kontinuierlich erweitert werden soll.

A

Accessoire, das

[aksɛˈso̯aːɐ̯]

Accessiores Assist von Alape

Formschön und Funktional: Accessoires im Bad wie das Ablagesystem Assist von Alape sollten das Nützliche mit dem (fürs Auge) Angenehmen verbinden.

Dem Französischen entlehnter und meist im Plural verwendeter Sammelbegriff für ergänzendes Zubehör (franz. „accessoires“ = Nebensachen). Vor allem im Modedesign wird mit Accessoires gearbeitet, um stark trendabhängige Akzente zu setzen (vgl. Styling). Im Interior Design weniger stark der Mode unterworfen, sorgen Accessoires wie Textilien, Deko-Artikel, Bilder, Kerzen, Vasen bzw. im Badbereich zusätzlich (Seifen-) Schalen, Handtücher, Spiegel, dekorative Wandgestaltungselemente usw. für die Durchgängigkeit und Konsistenz eines Gestaltungskonzepts.

Ambiente, das

[amˈbi̯ɛntə]

hansgrohe raintunes

Das digi­tale Dusch­sys­tem Rain­Tu­nes von Hansgrohe ver­netzt Was­ser, Licht, Ton und Duft, um ein multisensorisches Ambiente zu schaffen.

Ambiente [ital.] ist eine Bezeichnung für „Umfeld“, „Umwelt“, „Milieu“ im Sinne einer besonderen Atmosphäre, die einen Raum bzw. Dessen Einrichtung oder ein Kunstwerk umgibt oder ihm eigen ist. Im Interior Design stellt das Ambiente das Ergebnis der gezielten ästhetischen Gestaltung dieser Atmosphäre dar und bezeichnet die Ausstrahlung eines Raumes.

amorph

[aˈmɔʁf]

Kollektion Luigi Colani von Villeroy & Boch

Luigi Colanis Welt war rund. Er stellte bei seinen Entwürfen, wie hier für Villeroy & Boch, den Menschen in den Mittelpunkt und designte körpergerechte Formen.

In gewissem Sinne das Gegenteil von Design, denn der Begriff bedeutet formlos, gestaltlos, irgendwo zwischen fest und flüssig. Zerfließende, an keine festen, geometrischen oder gegenständlichen Formen erinnernde Gebilde werden als amorph bezeichnet. Amorphe Formen können im Interior Design auch organisch wirken, wenn etwa Möbel als Volumen und nicht als Strukturen gestaltet werden.

Archetyp, der

[ˌaʁçeˈtyːp]

Kollektion Starck 1 von Duravit

Inspiriert von Eimer, Zuber und Waschschale schuf Philippe Starck 1994 zusammen mit Duravit die Kollektion Starck 1 - moderne Archetypen.

Als archetypisch (gr. arche: Anfang; typos: das Geprägte; Urbild, Urform) können Formen bezeichnet werden, die in unserem kulturellen Gedächtnis verhaftet sind und beispielhaft oder symbolisch für eine bestimmte Funktion stehen: Ein Haus hat für uns immer noch einen rechteckigen Grundriss und ein Satteldach, obwohl es heute eine Vielfalt anderer Haustypen gibt. Ein Eimer Wasser wurde von Philippe Starck als Archetyp des Waschbeckens bezeichnet und diente ihm zusammen mit der Pumpe als Urbild der Armatur, als Vorbild seiner Kollektion Starck 1, genauso wie die Waschschüssel als Vorbild seines Schalenbeckens eine neue Art von Waschplatzgestaltung wieder populär machte. Im Produktdesign werden Formen als Archetypen bezeichnet, die eine neue Produktklasse eröffnen oder diese beispielhaft verkörpern, wie etwa der Kreuzgriff die Armaturengriffe.

architektonisch

[arçitɛkˈtoːnɪʃ]

Armatur CL1 von Dornbracht in architektiónischem Design

Die Armaturen der Serie CL.1 von Dornbracht zeigen einen industriellen Charakter und bringen so ein Stück architektonisches Design ins Badezimmer.

Alles, was einen Raum konstruiert und nicht unabhängig von ihm zu sehen ist – sowohl konstruktiv als auch gestalterisch. „Architektonische Gestaltung“ im Produktdesign basiert zumeist auf geometrischen (Grund-)Formen. Geradlinige, wenig expressive, puristische Formen und ein auf alles Unnötige verzichtender, manchmal technisch wirkender Stil werden als „architektonisch“ empfunden. Die Produkte wirken dabei wie architektonische, d. h. bauliche Elemente und passen sich dem Raum an. Solche Produkte sind oft wand- bzw. bodengebunden oder strukturieren den Raum, ohne der Architektur ein eigenes Ordnungssystem entgegenzusetzen. Sie sind auch nicht rein dekorativ, sondern haben einen körperbetonten Charakter.

Architektur, die

[aʁçitɛkˈtuːɐ̯]

Maisonette P155 von Peter Ippo­lito und Ste­fan Gabel

Die Designer Peter Ippo­lito und Ste­fan Gabel haben das Bad der Woh­nung bewusst als selbst­ver­ständ­li­chen Teil des Woh­nens ange­legt. Das Waschtischmöbel bildet das Zentrum, um das sich die Architektur des Badezimmers herum organisiert.

Eine der ältesten Kunstformen menschlicher Zivilisation. Die Grenzen zwischen Zweckbau und Baukunst sind heute fließend: Kaufhaus, Konzerthalle, Kirche und Wohnung sind es in unseren Augen gleich wert, gestaltet zu werden. Die Verbindung von Architektur und Geometrie ist so alt wie die Architektur selbst. Die Auffassung der Architektur als Raumhülle und konstruktives Gerüst sowie die richtungsbetonte Axialität (Ausrichtung an Achsen) verdanken wir der römischen Antike. Die seither im Massivbau entwickelten Prinzipien werden heute mit modernen Konstruktionsmaterialien (Stahlskelett, Beton, Glas etc.) fortgeführt. Der Raum wird dabei durch Maß, Proportion, Form und Kompositionsweise gestaltet.

Ästhetik, die

[ɛsˈteːtɪk]

In der Badezimmer-Kollektion Antheus von Villeroy & Boch spiegeln sich die Stil-Klassiker der Moderne wider. Geometrische Konturen des Art déco Stils treffen auf die puristische Schönheit des Bauhaus-Designs und verbinden zwei ästhetische Prinzipien.

Ästhetik ist die Theorie von der sinnlichen Wahrnehmung (von griech. „aisthesis“ = Wahrnehmung). Gemeint ist also nicht „das Schöne“ an sich, sondern die Lehre von den Gesetzmäßigkeiten und Grundlagen des Schönen (Harmonie), wie sie etwa in der Natur und der Kunst zu erkennen sind. Auch die Frage, ob die ästhetischen Eigenschaften als objektiv gegeben anzunehmen sind oder ob die Schönheit im Auge des Betrachters liegt, wird hier untersucht. Dabei geht es weniger um den persönlichen Geschmack als um die allgemein menschliche bzw. die allgemein gesellschaftliche Wahrnehmung dessen, was schön ist („Goldener Schnitt“).

asymmetrisch

[ˈazʏˌmeːtʁɪʃ]

asymmetrische Badewanne Bette Space

Die Badewanne BetteSpace bietet durch ihre asymmetrische Trapezform eine großzügige Liegefläche auch in kleineren Bädern. In der extra breiten Duo-Wanne passen sogar zwei Badende nebeneinander.

Das Adjektiv bezeichnet das nicht symmetrische oder nicht gleichmäßig gewichtete Verhältnis von Elementen in einer Gesamtkomposition. Dies führt zu einer Schieflage in der Optik oder sogar der Statik von gebauten Konstruktionen und Produkten. Asymmetrische Kompositionen werden im Design aber auch bewusst gewählt, um einen Spannungsbogen aufzubauen. Im Dekonstruktivismus wiederum haben asymmetrische Konstruktionen das Ziel, den Gleichgewichtssinn der Betrachter und sein Harmonieempfinden durch technische Tricks zu irritieren.

Ausstellungskonzept, das

[ˈaʊ̯sˌʃtɛlʊŋs:kɔnˈʦɛpt]

Ausstellungskomzept Pop up my Bathroom auf der ISH 2023

Die Informationsplattform Pop up my Bathroom, eine Initiative der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) und der Messe Frankfurt, präsentiert auf der ISH in einer Ausstellung die wichtigsten Trends der Sanitärbranche.

Entscheidend ist die Gestaltung einer Ausstellung nach einem durchgehend erkennbaren Prinzip, um Erfolg bei der gewünschten Zielgruppe zu erreichen. Die Spezialisierung auf verschiedene Marktsegmente (Luxusbad, Kleinbad, Barrierefreiheit) oder Stilwelten (mediterran, Landhaus, modern, minimalistisch, traditionell) bewirken die Ansprache der entsprechenden Klientel. Dabei ist der klassische Aufbau in Kojen mit an der Wand aufgereihten Objekten nicht immer ausreichend, um dem Anspruch gerecht zu warden. Hierfür sind zunehmend Raumkonzepte und raumgreifende Inszenierungen vonnöten, die die Komplexität eines Themas oder einer Kollektion mithilfe von innenarchitektonischen Mitteln (Farbklima, Boden- und Wandgestaltung, Licht) abbilden. Je wirklichkeitsgetreuer die Inszenierung der einzelnen Bäder (Accessoires, Beleuchtung, abgetrennte Räume mit Decke, vollständige Bäder), desto erfolgreicher wird die Vorstellungskraft der Kundschaft angeregt.

Authentizität, die

[ˌaʊ̯tɛntit͡siˈtɛːt]

In Magazinen und Blogs sehen wir in der Regel durchgestylte Badezimmer. Aber sieht das heimische Bad in Wirklichkeit nicht eher so aus?

Authentizität (von griech./lat. = Echtheit, Zuverlässigkeit, Glaubwürdigkeit) bedeutet Echtheit. Ein authentisches Objekt bezeichnet immer ein Original oder ein mit dem Original identisches Produkt (etwa in der Serienfertigung). Im übertragenen Sinne kann auch eine Form oder eine Haltung als authentisch (als Gegensatz zu vordergründig, oberflächlich, vorgeblich) wahrgenommen werden, wenn sie zwar nicht das Original kennzeichnet, wohl aber dessen ursprüngliche Qualität und „wahrhaftige“ Identität aufweist. Eine Corporate Identity kann demnach authentisch sein, wenn sie glaubhaft vertreten wird, ein Formzitat oder ein Re-Design ist authentisch, wenn es „im Sinne“ des Originals verwandt oder gestaltet ist. Glaubwürdigkeit erscheint im Zeitalter unbegrenzter Reproduzierbarkeit verlässlicher als das Original, das kopiert werden kann, ohne seine „Seele“ zu besitzen.

Avantgarde, die

[aˈvɑ̃ːɡaʁdə]

Kunsthistorisch bezieht sich der Begriff Avantgarde auf Kunstschaffende, die mit ihren Ideen und Kunstwerken ihrer Zeit vorausgreifen. „Avantgarde” (frz: „l‘avantgarde“ = Vorhut) steht dabei für eine neue Kunst des (beginnenden) 20. Jahrhunderts. Der Begriff ist eng mit der Moderne verbunden. Ziel einer avantgardistischen (meist elitären, sich als Vordenker verstehenden) Bewegung war ursprünglich immer eine gesellschaftliche Veränderung. In den künstlerischen Avantgarden, die sich vor allem zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus Künstlergemeinschaften und -bewegungen entwickelten) etwa der italienische Futurismus, der russische Konstruktivismus, De Stijl (Holland) oder das Bauhaus in Deutschland) ist fast immer ein idealistischer Fortschrittsglaube festzustellen. Gemeinsam ist allen diesen Bewegungen, dass sie die jeweils herrschenden Geschmacksnormen ablehnen. Als avantgardistisch kann daher kein einzelner Stil bezeichnet werden, sondern vielmehr eine künstlerische oder intellektuelle Haltung.

 

Als avantgardistisch wird heute im Allgemeinen eine betont moderne künstlerische Ausdrucksweise verstanden, die provozieren will, um für ein neues ästhetisches oder gesellschaftliches Ideal zu werben. Selbst wenn das Ideal nicht verwirklicht werden kann, haben avantgardistische Bewegungen häufig einen großen Einfluss auf eine ihr nachfolgende Mode bzw. die künstlerischen Trends und Designentwicklungen ihrer Zeit.

B

Balance, die

[baˈlɑ̃ːs(ə)]

Sarah Poniatowski hat für Axor ein Badezimmer mit einer perfekten Balance zwischen Innen und Außen entworfen. Die Umgebung spiegelt sich im Badezimmer-Design wider.

Balance [frz.] bezeichnet den Zustand des Gleichgewichts und der Ausgewogenheit mehrerer Elemente. Wenn sich zwei formale Aussagen die Waage halten, kann man von einer Balance in der Gestaltung sprechen – etwa, wenn ein Material trotz schlanker Außenform solide wirkt oder organische Ausdruckskraft und geometrische Klarheit ein harmonisches Gesamtbild ergeben.

Barock, der bzw. das

[baˈrɔk]

Badezimmer mit barocken Elementen

Egal welcher Stil bevorzugt wird: mit Tapeten im Badezimmer eröffnen sich eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten – so auch Elemente des Barocks.

Gegensatz zu schlicht; eine barocke Formgebung bezeichnet die (zitierende) Verwendung von dekorativen, üppigen Formen und bauchigen Rundungen sowie rankender Ornamentik in Anlehnung an den historischen Stil des Barock (ca. 1580/1600 bis 1730/1750). Hier wurde die Form nicht als Ausdruck einer Funktion, sondern als ihre Verhüllung oder Verschönerung bzw. Überhöhung begriffen. Der erst im 18./19. Jahrhundert geprägte Begriff leitet sich vom portugiesischen „barucca” oder italienischen „barocco” (schief, eigenartig) ab. Es gibt wieder eine Lust am Ornament. Im Zuge dessen werden wieder gerne barocke Formen zitiert, um sie mit der modernen Welt in einen Kontrast zu setzen.

Bauhaus, das

[ˈbaʊ̯haʊ̯s]

Atelierhaus von Peter Keler im Bauhaus-Stil mit Produkten von Villeroy & Boch

Mit iko­ni­schen Designs schuf Peter Keler zeit­lose Bauhaus-Klas­si­ker. Das denk­mal­ge­schützte Ate­lier­haus nahe Wei­mar wurde im Jahr 1958 nach Plä­nen von Peter Keler erbaut und ver­eint cha­rak­te­ris­ti­sche Bau­haus-Ele­mente.

Das Bauhaus ist Deutschlands berühmteste Kunst-, Design- und Architekturschule der Klassischen Moderne, die von 1919 (Weimar) über den Neubau von Walter Gropius in Dessau (1925 – 1932) bis 1933 (Berlin) bestand. Von den Nationalsozialisten geschlossen, entwickelt die Schule über ihre in der ganzen Welt verstreuten Schüler einen großen Einfluss auf die internationale Architektur-, Kunst- und Designszene. Der „internationale Stil” in der Architektur (auch „Neues Bauen” genannt) und das moderne Produktdesign haben u. a. im Bauhaus ihre Wurzeln. Ursprüngliches Ziel von Gründer Walter Gropius war die Bildung einer neuen, zeitgemäßen Einheit von Kunst und Technik, um die Kunst im Volk zu verbreiten und zu einer Massenbewegung zu machen. Zu diesem Zweck wurden neu entwickelte, schlichte Formen und neue Materialien wie das Stahlrohr verwandt, die sich für die industrielle Massenfertigung eignen. Einfache Geometrien und die Beschränkung auf das Grundfarbenspektrum in Kombination mit Schwarz, Grau und Weiß sind die klassischen Bauhaus-Stilmerkmale.

 

Die funktionsorientierte Gestaltung wurde als Mittel zur Überwindung der Stile und zur Optimierung der industriellen Fertigung zugunsten bezahlbarer Produkte begriffen. Die neuen Möbel und helle Bauwerke sollten der Arbeiterklasse eine moderne Lebenseinstellung vermitteln. Der Bauhaus-Funktionalismus entwickelte sich jedoch zum Stil einer kleinen, intellektuellen Elite. Wichtige Vertreter des Bauhauses waren neben Gropius vor allem Mies van der Rohe, Marcel Breuer und Wilhelm Wagenfeld.

C

Colani, Luigi

Luigi Colani beim Eintwurf einer Brause für Villeroy & Boch

Luigi Colani mit einer für Villeroy & Boch entworfenen Handbrause.

Der Designer Luigi Colani (eigentlich: Lutz Colani) (*2. August 1928 in Berlin, †16. September 2019 in Karlsruhe) ist vor allem durch seine aerodynamischen, biomorphen Formen für Schiffe, Motorräder, Flugzeuge, Brillen und Fotoapparate bekannt geworden. Sein Design hat Ergonomie als oberstes Gestaltungsziel. Mit dem Einsatz von thermoplastischen Kunststoffen in der Serienproduktion konnte Colani in den 70er-Jahren seine Vorstellungen in konkrete Produkte fassen. In der Sanitärbranche machte er sich mit einer der ersten Sanitär-Kollektionen (1971) für Villeroy & Boch einen Namen. Diese Arbeit gilt als der erste ganzheitliche Ansatz, modernes und ergonomisches Design im Badezimmer zu integrieren. Die Kollektion erfreute sich vor allem bei den Installateuren größter Beliebtheit.


Colani starb 2019 nach schwerer Krankheit im Alter von 91 Jahren. Er wurde am 5. Oktober 2019 in einem „Ewigkeitsgrab“, einer Gruft (Gruftenhalle 63/64) im Ehrenhof am Haupteingang des Hauptfriedhofes in Karlsruhe beigesetzt. Der Sarg war von ihm selbst entworfen worden.


Bei der Recher­che in den Archi­ven sind wir auf ein Inter­view aus dem Jahr 2000 gesto­ßen ...

Collage, die

[kɔˈlaːʒə]

Stelen mit Collagen "Coloured Bathroom" auf der Ausstellungsfläche Po up my Bathroom zur ISH 2019

Zur ISH zeigte die Kreativplattform Pop up my Bathroom mit der Inszenierung "Colour Selection", was mit Farbe im Bad möglich ist und veranschaulichte das u.a. mit zahlreichen Collagen.

Collage ist eine Kreativtechnik, die in der Bildenden Kunst entwickelt wurde. Dabei wird aus aufgefundenen Bruchteilen zum Teil unterschiedlichster Herkunft ein neues Ganzes geschaffen. Häufig werden Zeitungsausschnitte, Stücke farbigen Papiers und Teile von Fotografien neu arrangiert und zusammengeklebt (frz. „coller“ = kleben). Im Design und im Interior Design wird die Collagetechnik heute häufig genutzt, um in Musterblättern das Zusammenspiel von Farben und Materialien in be- stimmten Kombinationen auszutesten.

Corporate Identity

Unter der Corporate Identity (CI), auch Unternehmensidentität, versteht man die „Persönlichkeit” eines Unternehmens, das als einheitlicher Akteur (mit quasi menschlichen Eigenschaften) handelt und wahrgenommen wird. Es ist Aufgabe der Unternehmenskommunikation, Unternehmen zu einer Persönlichkeit zu verhelfen bzw. zu bewirken, dass es als Person bzw. charakterliche Einheit wahrgenommen wird. Die Identität einer Person ergibt sich normalerweise aus der Art und Weise zu sprechen, zu handeln und aus der optischen Erscheinung. Die Identität eines Unternehmens lässt sich mit einer Strategie einheitlichen Handelns, Kommunizierens und visuellen Auftretens vermitteln.

 

Die CI umfasst die Unternehmensphilosophie, das Leitbild, die Begrifflichkeiten, die Handlungsrichtlinien, den Namen, das Logo und weitere visuelle Zeichen. Sie wird durch drei Unterbereiche gebildet: Corporate Design (CD), Corporate Communication (CC) und Corporate Behaviour (CB). Zum Corporate Behaviour als Unternehmenskultur gehören neben bestimmten ethischen Grundsätzen (etwa in Bezug auf Sozialstandards, Umweltschutz, Nachhaltigkeit etc.) auch das Verhalten der Mitarbeiter untereinander, gegenüber Kunden sowie zu Lieferanten und Partnern.

Corporate Design, das

Einheitliches Design mit der Duschkabine Nica von Kermi

Ein einheitliches, visuelles Erscheinungsbild im Badezimmer unterstützt die Persönlichkeit der Bauleute und erhöht die Gestaltungsqualität.

Das Corporate Design (meist abgekürzt „CD“) bezeichnet das gesamte visuelle und möglichst einheitliche Erscheinungsbild eines Unternehmens oder einer Organisation, das eine klare Identifikation ermöglicht und ggf. auch bestimmte Werte (CI) vermittelt. Aufgabe des Corporate Designs ist die Vereinheitlichung der Kommunikationsmittel (Logo/Firmenzeichen, Briefpapier, Werbemittel etc.) sowie möglichst auch der Architektur, Fahrzeuge, Firmenkleidung, Verpackung etc. In produzierenden Industrien bestimmt das Corporate Design auch die Gestaltung von Produkten wesentlich mit.


Ein Beitrag in unserem Magazin widmet sich dem Thema Corporate Design im Badezimmer.

D

Design für Alle

Auch im (halb-)öffentlichen Raum, wie etwa in einem Krankenhaus, kann funktionales Nutzen mit ansprechendem Design einhergehen. Hier wurde in den Waldkliniken Eisenberg das Prinzip "Design für alle" gekonnt umgesetzt.

„Design für Alle” ist ein europäisches Gestaltungskonzept, das auf dem Wunsch basiert, quer durch sämtliche Lebensbereiche Designideen zu entwickeln, die für alle Menschen – auch für solche mit individuellen Anforderungen, z.B. aufgrund ihres Alters oder einer Behinderung – gleichermaßen attraktiv und nutzbar sind. Auch Barrierefreiheit im Bad soll auf diese Weise ein echter Gewinn für alle werden. Obwohl sie nur für einige notwendig ist, beschert sie doch vielen Menschen täglich spürbare Erleichterung und bietet ein Höchstmaß an Komfort.


Wenn die Idee vom „Design für Alle” funktioniert, sollte die Vorstellung von einem altersgerechten Zuhause nicht mehr länger an die Vision einer unmittelbar bevorstehenden Pflegebedürftigkeit gekoppelt sein. Stattdessen wird das moderne Qualitätsdesign dank seiner Funktionalität und Ästhetik wohl auch Bauleute und Investoren begeistern, die weit davon entfernt sind, auf Barrierefreiheit angewiesen zu sein. So gilt die bodengleiche Dusche heute als ein Attribut für Wellness und Luxus und nicht als Spezialprodukt für Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind.

Design, das

[diˈzaɪ̯n]

Design (dt.: „Gestaltung”) hat zwei Hauptbedeutungen: Zum einen ist der Entwurf gemeint – im Sinne einer Zeichnung, einer Idee, eines kreativen Gestaltungskonzepts. Zum anderen die konkrete Formgebung von Möbeln, Haushaltsobjekten oder technischen Geräten sowie (etwa im internationalen Sprachgebrauch) von größeren Strukturen, wie dem Interior Design und der Architektur. Design ist ein Lehnwort aus dem Englischen, das wiederum aus dem Lateinischen abgeleitet ist (designare = [be]zeichnen) und in viele Sprachen Eingang gefunden hat.

 

Ursprünglich im Bereich des Kunsthandwerks entstanden, entwickelten sich bis heute zahlreiche Teildisziplinen. Die wichtigsten sind das Produktdesign (etwa Möbel und Haushaltsgegenstände) bzw. Industriedesign (ein Begriff, der ursprünglich das Design von industriell gefertigten Produkten im Gegensatz zur Disziplin des Kunsthandwerks meinte), das Interior Design (Innenarchitektur), Grafikdesign (Design von Kommunikationsmitteln wie Schrift, Druckgrafik, Werbung), Kommunikationsdesign, Farbdesign etc.

 

Design umfasst dabei nicht nur die optische bzw. ästhetische Gestaltung eines Gegenstandes oder eines Kommunikationsmittels, sondern auch seine Funktionalität und Konstruktion. Produktkonzeption, Materialwahl und -verarbeitung sowie die eingesetzte Technik sind Aufgabenbereiche der Designer. Weitere design-bestimmte Eigenschaften sind die Ergonomie sowie die leichte Verständlichkeit und Bedienbarkeit von Geräten bzw. Gegenständen die den Menschen im Alltag begleiten und unterstützen sollen. Auch die emotionale Funktion wird als Teil des Designs verstanden und rückt heute zunehmend in den Vordergrund. Ein Produkt ist dann gut designt, wenn es seine Funktion optimal erfüllt, die Funktion verständlich kommuniziert und zudem Freude bereitet. Und das über einen längeren Zeitraum hinweg.

dezent

[deˈʦɛnt]

Eigentlich ein Synonym für „schicklich, geziemend“ oder „diskret“, bezeichnet das Adjektiv als ästhetischer Begriff eine zurückhaltende oder unauffällige und subtile Präsenz eines Gestaltungselements oder einer Gesamtkomposition, bei der sich formal keines der einzelnen Elemente in den Vordergrund drängt.

Dimension, die

[ˌdimɛnˈzi̯oːn]

Dimension bezeichnet einen Raum. Dabei kann sich der Begriff auf die physikalische Größe beziehen und damit Raum und Zeit bzw. die Raumzeit meinen. Auf die realen Lebensverhältnisse bezogen macht der Begriff uns bewusst, dass Handlungen und Ereignisse eine bestimmte Auswirkung, eine Reichweite auf andere Menschen, Lebensbereiche oder die Zukunft haben können.

 

Fast schon banal mutet dagegen die Bedeutung im gestalterischen Kontext an, wo sich Dimension lediglich auf die Größe eines Körpers oder Raums bezieht. Durch die Verhältnismäßigkeit der Volumen und Produktdetails wiederum gewinnt die Dimension an Bedeutung, indem sie Bezüge stiftet, proportionale Spannungen und Harmonien bedingt oder schlicht durch relative Größe oder Miniaturisierung beeindruckt. Die Erfahrung von Dimension als eine Frage der Perspektive zu begreifen gilt für Architektur genauso wie für Objektdesign oder die Gestaltung von kindgerechten Möbeln und Interior Designs.

dynamisch

[dyˈnaːmɪʃ]

Armatur CL1 von Dornbracht mit Glasgriffen

Glas zählt im Inte­rior Design zu den ganz beson­de­ren Werk­stof­fen. Seine Ober­flä­che reflek­tiert Licht auf viel­fäl­tige Weise und erzeugt Schat­ten­spiele, die, beson­ders bei far­bi­gem Glas, für dynamische Akzente sor­gen.

Dynamik (von griech. „dynamiké“ = mächtig bzw. „dynamis“ = Kraft) ist die Lehre von der Bewegung von Körpern unter Einfluss von Kräften. Dynamisch ist als Charakterisierung von Menschen, Umgebungen und Gegenständen gebräuchlich und bedeutet, dass etwas oder jemand voll innerer Kraft, lebendig, bewegt und beschwingt ist. Damit kennzeichnet dynamisch den gegenteiligen Zustand von „statisch”. Dynamik bezeichnet aber auch die innere Bewegung eines Designobjekts, eines Gebäudes oder eines gestalteten Raums. Ein dynamischer bzw. bewegt wirkender Eindruck kann durch gezielte Abstufungen, Rhythmus oder organisch geschwungene Linienführung hervorgerufen werden.

E

Eklektizismus, der

[ɛklɛktiˈt͡sɪsmʊs]

Eklektizismus ist ein Gestaltungsprinzip, bei dem unterschiedliche Objekte, Stile, Materialien oder Elemente kombiniert und zu etwas Neuem zusammengefügt werden. Als künstlerische Ausdrucksweise, die sich ganz offen bereits vorhandener, oft historischer Kunstleistungen bedient, war der Eklektizismus jahrhundertelang entscheidend für den Kreativitätsbegriff. Er ist außerdem kennzeichnend für die Stilepochen der europäischen Kunst seit Beginn des Klassizismus. Daher wurde Eklektizismus lange als ein Kritikbegriff benutzt, wenn es einer gestalterischen Leistung an Originalität mangelte. In der Kunst und teilweise auch im Design ist das eklektische Prinzip heute eine gängige Technik, um Zitate verfremdend oder neu interpretiert zu einem originellen - das heißt schöpferischen und innovativen - Formerlebnis zu gestalten. Im modernen Design steht der Begriff für eine Technik, um die zu einem bestimmten Zeitpunkt dominanten Formen neu zu interpretieren. So entsteht aus den jeweils etablierten Objekten etwas Neues. Häufig wird daraus ein Spiel mit Zitaten und Symbolen aus der Welt des Designs und der Architektur.

Eleganz, die

[eleˈɡanʦ]

Elegantes Badezimmer im Budapester Hotel Párisi Udvar mit Sanitärprodukten von Villeroy & Boch.

Der sorgfältig ausgewählte Materialmix, aufeinander abgestimmte Öberflächen und bodeneben Fenster die den Blick beim Baden schweifen lassen: die badezimmer des Budapester Hotels Párisi Udvar verbreiten eine elegant-moderne Anmutung.

Mit Eleganz wird ein gehobener, stilsicherer Geschmack verbunden, der repräsentativ und glatt wirkt. Menschen, die sich elegant kleiden oder einrichten, wollen einem verfeinerten - also einem geübten, kultivierten - Geschmacksempfinden Ausdruck verleihen (von frz. „élégance“ = Feinheit, Zierlichkeit). Meist wird dabei auf klassische, harmonisch abgestimmte Elemente zurückgegriffen; allzu laute oder verspielte Elemente werden vermieden, weil sie als vulgär empfunden werden

Emotional Bathroom, das

[ɪˈməʊʃᵊnᵊl ˈbɑːθruːm]

Zeit­ge­mäße Bad­ge­stal­tung ist auf einem Qua­li­täts­ni­veau ange­kom­men, auf dem Stil, inno­va­tive Tech­nik und pro­fes­sio­nel­les Inte­rior Design auf­ein­an­der abge­stimmt zu einem har­mo­ni­schen Gan­zen ver­ei­nigt wer­den: dem Emo­tio­nal Bathroom. Dabei geht es um Fragen wie: Wie wir­ken Far­ben, For­men und Mate­ria­len zusam­men? Wie las­sen sich Tages­ab­läufe ver­bes­sern? Wie wird die tech­ni­sche Aus­stat­tung opti­mal mit wohn­li­chen Ele­men­ten kom­bi­niert? Mit wel­chen Mit­teln lässt sich die ästhe­ti­sche Qua­li­tät des Bade­zim­mers erhö­hen und vari­ie­ren?

Ergonomie, die

[ˌɛʁɡonoˈmiː]

Die aus Mineralguss gefertigte Relax-Badewanne Badu von Burgbad mit patentierter Liegeposition soll sicheren Halt und Schwerelosigkeit vereinen. Die ergonomische Wannenform wird durch eine Einwölbung am Wannenboden erzeugt.

„Ergonomisch“ wird meist gleichbedeutend mit „körpergerecht“ oder „nutzungsoptimiert“ benutzt. Ergonomie ist ursprünglich eine Methode der effizienten und körperschonenden Arbeitsplatzgestaltung. Eine ergonomische Gestaltung hat zum Ziel, die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine zu verbessern und handhabbare bzw. komfortabel zu benutzende Produkte herzustellen.

extravagant

[ˈɛkstʁavaɡant]

Extravagante Badezimmergestaltung mit roter Tapeten und schwarzen Sanitärprodukten von Kaldewei

Welchen Stil man auch bevorzugt – Tapeten im Badezimmer eröffnen durch eine Vielzahl von Dessins, Farben und Prägungen viele Gestaltungsmöglichkeiten, mit passendem Interieur auch extravaganten Glammour.

Heute ist „extravagant“ als Bezeichnung für Menschen gängig, die eine überspannte, übertriebene Art und einen ausgefallenen Geschmack haben. Ursprünglich bedeutet extravagant aber einfach nur „ausgefallen, außergewöhnlich“. Als Produktcharakterisierung ist damit jedoch meist die negative Bedeutungsebene gemeint, wenn nämlich eine Form oder eine Ausstat- tungsqualität aus der Rolle fällt, übertrieben und fehl am Platze wirkt.

F

Farbklima, das

[ˈfaʁb:kliːma]

Mit verschiedenen Farbräumen lässt sich ein jeweils anderes Farbklima schaffen. So lassen sich mit dem Colour Wheel von Villeroy & Boch aufeinander abgestimmte Farben ermitteln - etwa in dem Farbklima Indian Summer ...

... mit Bordeaux ...

... mit Sage Green ...

... oder mit Rust.

Ein Fächer von aufeinander abgestimmten Farben zur Erzielung eines unverwechselbaren Erscheinungsbildes oder eines bestimmten farblichen Ausdrucks (etwa eines Raumes). Im Corporate Design wird eine bestimmte Farbpalette festgelegt, die zur Gestaltung sämtlicher Publikationen, Signets und öffentlicher Auftritte (z. B. Messestand) benutzt werden dürfen. Ein Farbklima schafft aber auch eine Atmosphäre und emotionale Grundstimmung, die mehr oder weniger kühl oder warm wirken kann - daher wohl die Namensgebung „Klima“.


Je nach Farbdominanz eines warmen oder kühlen Tons bzw. nach der Zugehörigkeit der Farbpalette zum warmen oder kühlen Spektrum (warm: z. B. Rot, Orange, Gelb; kühl: z. B. Blau, Grün, Violett) kann ein in einem bestimmten Farbklima ausgestatteter Raum kühl oder warm auf den Menschen wirken. Die subjektive Temperaturempfindung von Räumen mit warmer oder kalter Farbpalette kann dabei um bis zu sieben Grad Celsius schwanken.

Form follows function

Form follows function (dt.: Die Form folgt der Funktion) ist ein Gestaltungsleitsatz aus Design und Architektur. Er fordert, dass die Form sich aus ihrer Funktion, d. h. ihrem Nutzzweck ableiten soll. Der Begriff ist Teil eines berühmten Zitats des amerikanischen Architekten Louis Henry Sullivan (1856 bis 1924), der mit den ersten vielstöckigen Büro- und Kaufhäusern in Skelettbauweise zu den Begründern der modernen Architektur zählt.

 

In Deutschland wurde der Gestaltungsgrundsatz erstmals vom Bauhaus konsequent angewandt und in der Folge oftmals mit funktionalistischer Gestaltung identifiziert. Diese verzichtet auf jegliches Dekor und wendet eine ausschließlich geometrische Formensprache an.

 

Unbeachtet blieb Sullivans ganzheitlicher Gestaltungsgrundsatz, demzufolge jede Form, jeder Gegenstand und jedes strukturierende, dekorative oder typisierende Gebäudeelement auch eine semiotische Funktion hat – d. h., das Äußere wirkt zeichenhaft, erläuternd, identifizierend. Diese Funktion kann in Übereinstimmung mit Sullivans Theorien ebenso gut durch eine organische oder eine dekorative Formgebung erfüllt werden.

Form, die

[fɔʁm]

Die Form (lat. Lehnwort von „forma“ = äußere Gestalt, Umriss) gibt einem Stoff bzw. einem Material Gestalt. Form definiert sich über den äußeren Umriss eines Materials sowie über das Verhältnis der Einzelteile zueinander. Sie definiert den äußeren Rahmen. Auch wenn die Formung keine Wesensveränderung eines Materials bedeutet, hat sie dennoch eine (ästhetische, kommunikative und praktische) Wirkung auf die Art und Weise, wie Menschen dieses Material wahrnehmen, konsumieren oder nutzen können.

Formensprache, die

[ˈfɔʁmənˌʃpʁaːxə]

Reduzierte Formensprache von Tesseraux und Bette

Mit einer deutlich reduzierten Formensprache nehmen das Designbüro Tesseraux und Partner und Bette der Stahl-Email-Badewanne sowie dem Waschtisch ihre Schwere.

Die Art und Weise, wie ein Gegenstand bzw. Raum mithilfe von formalen Elementen einen bestimmten Ausdruck erzielt. Räume und Gegenstände kommunizieren hier nicht mithilfe von Wörtern, sondern durch die Art ihrer Anordnung und durch bildliche Verweise − etwa, wenn ein Griff geformt ist wie ein Blatt. Der Begriff „Formensprache“ nimmt das Bild auf, das die einzelnen Elemente (Grundkörper, Linien, Farben etc.) durch die Art ihres Arrangements erzielen können –  wie die Wörter einer Sprache einen bestimmten Ausdruck: Ein Gegenstand kann daher weich oder hart, dezent oder laut, minimalistisch oder skulptural wirken.

Funktionalismus, der

[fʊŋkt͡si̯onaˈlɪsmʊs]

Eine wichtige Strömung in Architektur und Design im 20. Jahrhundert, in der die Eigenständigkeit der Form als rein ästhetischer Wert zurückgedrängt wird. Im Vordergrund steht die aus dem Verwendungszweck des Gebäudes oder des Geräts sich notwendig ergebende Form. Die Funktionalisten beriefen sich dabei auf die berühmte, gleichwohl weitgehend fehlinterpretierte Maxime von Louis Henry Sullivan, „form follows function“.

 

Abgrenzungspunkt zu anderen Richtungen der Moderne ist die Ablehnung einer emotionalisierenden Dynamik. Typisch ist eine betont sachliche, geradlinige, nüchterne Gestaltung. In der Architektur ist das Organisationsprinzip die Rasterung komplexer Konstruktionen in kleine Einheiten und deren Vervielfältigung. Stahlskelettbau, grazile Stützenkonstruktionen mit flexiblem Grundriss, die scheinbare Aufhebung der Schwerkraft und der modulare Aufbau sind Kennzeichen des funktionalistischen Bauens. Ziel ist nicht nur eine ästhetische, sondern auch eine geistige Ausgewogenheit und Klarheit. Dementsprechend wirken funktionalistische Bauten und Produktarrangements häufig nicht nur rational, sondern auch unterkühlt. Die Suche nach der „reinen Form“ steht dabei oftmals im Konflikt mit Individualität und Vielfalt. Das Ideal der Ordnung wird im Funktionalismus gegen das Chaos und die Komplexität der Erscheinungen gesetzt.

 

Während die funktionalistische Architektur mit den Künstlern des Bauhaus emigrierte und sich als „Internationale Moderne“ mit zum Teil nüchterner, zum Teil organisch gestalteter Ausrichtung weiterentwickelte, setzte sich der Funktionalismus im Produktdesign nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem in Deutschland durch. An der Hochschule für Gestaltung in Ulm (HfG Ulm) wurde die sogenannte „Gute Form“ zum Gestaltungsideal erklärt.

futuristisch

[futuˈʁɪstɪʃ]

Bedienpaneel der Smartt Shower von Laufen

Das Bedienpaneel der Smart Shower von Laufen könnte auch aus einer SiFi-Serie der 1960er Jahre stammen, mutet aber auf jeden Fall auch heute noch recht futuristisch an.

Beschreibt ein zukunftsbezogenes Konzept und eine experimentelle Formgebung, die veränderte Lebensbedingungen voraussetzt bzw. simuliert.

G

goldener Schnitt

In der Kunst und Architektur wird der Goldene Schnitt als ideale Proportion verschiedener Längen zueinander angesehen. Er gilt als Inbegriff von Ästhetik und Harmonie und wurde schon intuitiv angewandt, bevor die entsprechende Formel gefunden wurde. Der Goldene Schnitt bezeichnet die harmonische Teilung einer Strecke in einen kleineren und einen größeren Abschnitt im mathematischen Verhältnis von b : a = c : b. Dementsprechend verhält sich der größere Teil genauso zur Gesamtlänge wie der kleinere Teil zum größeren Teilabschnitt.

grafisch

[ˈɡʁaːfɪʃ]

Grafisches Design von ibani

Ein sehr grafisches Design bietet die Kollektion Bowl des spanischen Badanbieters inbani (Design Arik Levy). 

Eine Grafik (von griech. „graphikós“ = zeichnerisch, zum Malen geeignet) ist eine zweidimensionale Zeichnung oder systematische Darstellung. Man kann aber auch beim Produktdesign von einer grafischen Gestaltung sprechen, wenn die Volumen zugunsten einer strukturbetonten, linearen Formensprache bis auf ein Minimum zurückgenommen werden und dabei ein zeichnerisches Profil entsteht.

H

Haptik, die

[ˈhaptɪk]

Die neue TECEvelvet Betätigungsplatte von Designer Konstantin Grcic will mit ihrer ultrasanften Oberfläche für eine besonderse Haptik sorgen.

Haptik (von griech. „haptikos“ = greifbar) ist die Lehre vom Tastsinn. Über die Berührung von Oberflächen bzw. durch das Berührt-Werden nehmen Lebewesen vielseitige Reize und Informationen auf. Im Design beeinflusst die Haptik eines Gegenstandes unser Wohlbefinden — unsere Reaktionen wie Sympathie oder Unwohlsein, Wärme- oder Kälteempfinden, Vertrautheit oder Irritation sind intuitiv und von uns nicht steuerbar.

 

Das Griffempfinden für die Oberflächengestaltung bestimmt weitgehend unsere emotionale Beziehung zu einem Objekt, aber auch unser Vertrauen in die ergonomische Qualität, etwa einer Armatur oder Instruments. Dennoch wird die haptische, über Material und Verarbeitung zu steuernde Qualität von Designobjekten gegenüber ihrer visuellen Wirkung gerne unterschätzt.

Harmonie, die

[ˌhaʁmoˈniː]

Harmonisch aufeinander abgestimmtes Interior Design und Sanitärprodukte von Kermi

Die weißen Armaturen an Waschplatz und Dusche, die ebenfalls weißen Profile der Duschkabine sowie die gekalkten Holzdielen und der Waschtisch im Landhausstil sind harmonisch aufeinander abgestimmt.

Harmonie (lat.-gr. „harmonia“ = Zusammenfügung, Einklang) ist ein Begriff der Ästhetik für das konfliktfreie Zusammentreffen und Nebeneinander (zweier oder mehrerer) unterschiedlicher, aber zusammenpassender Teile und ihre gegenseitige Ergänzung zu einem (harmonisch) ausgewogenen Ganzen. Im Idealfall entsteht daraus eine neue Einheit, ohne dass die unterschiedlichen Teile dabei ihre Identität verlieren müssen.

 

Voraussetzung für die Kompatibilität der zusammentreffenden Elemente ist in den meisten Systemen – etwa in der Musik oder bei Farben – eine gemeinsame Wurzel auf einer tiefer liegenden Ebene (z. B. die Zugehörigkeit zur selben Tonlage oder zur selben Farbkategorie).

Hightech, das bzw. die

[ˈhaɪ̯tɛk]

Hightech für Ressourcenschonung mit der Recycling-Dusche von Grohe

Hightech für Ressourcenschonung: Bei der Recycling-Dusche von Grohe kann zwischen Frischwasser- und Zirkulationsnutzung unterschieden werden.

Hightech ist eine „Nichtübersetzung“ des englischsprachigen Wortes „high technology“. Gemeint ist hier eine Technologie, die dem aktuellen technologischen Stand entspricht. Das deutsche Äquivalent ist „Spitzentechnologie“. Doch mit dem Begriff Hightech sind noch weitere Bedeutungsebenen verknüpft – Computerisierung, smarte Produktionstechniken, Individualisierbarkeit und sogar bestimmte formale Eigenschaften.

homogen

[ˌhomoˈɡeːn]

Homogenität (von griech. „homos“ = gleich; „genos“ = Art; „homogenos“ = von gleicher Art) bezeichnet die Gleichheit einer Eigenschaft über die gesamte Ausdehnung eines Systems bzw. die Gleichartigkeit von Objekten, Erscheinungen, Elementen eines Systems. Ein homogenes Design ist harmonisch und durchgängig gestaltet, eine homogene Farbgebung arbeitet mit wenig Kontrasten und Abtönungen innerhalb eines Farbklimas (etwa kühle oder aber warme Töne, Grau-Weiß-Abstufungen etc.).

I

Identität, die

[iˌdɛntiˈtɛːt]

Identität (von lat.: „identitas“ = Wesenseinheit) ist die komplexeste Größe, die es für Menschen, aber auch für künstlich erzeugte Produkte gibt. Sie unterstellt nicht nur Einzigartigkeit (von Personen und Produkten) sondern auch Einheit (der sie bestimmenden Faktoren). Mit anderen Worten: Viele Faktoren müssen so zusammenspielen, dass sich eine einheitliche, nicht beliebige Form ergibt. Innere Widersprüche im Charakter eines Menschen genauso wie im Gesamteindruck und in der Kommunikation eines Produktes/ bzw. einer Kollektion führen zu Konflikten.

Image, das

[ˈɪmɪʧ]

Image (engl. „image“ = Bild) bezeichnet das innere Bild, das sich eine Person von einem Objekt oder einer anderen Person macht. Das gilt inklusive der an dieses Bild geknüpften Assoziationen und Emotionen und inklusive des daraus resultierenden Ansehens oder Rufs. Dieses Bild wird immer mehr zu einem Produkt, das gezielt von außen geformt wird. Das Urteil über ein Objekt, eine Idee oder eben eine Person und deren charakterliches Verhalten wird u. a. auch über äußere (optische) Eigenschaften beeinflusst. In diesem Sinne hat das Produkt- und Kommunikationsdesign eine große Bedeutung beim Imageaufbau und -transfer, etwa bezüglich des Images einer Marke.

Individualität, die

[ˌɪndividualiˈtɛːt]

Ondividualisierte Armaturen der Serie My Edition von Axor

Bei der Armaturenserie My Editon von Axor können die Oberflächen individuell gestaltet und so dem Badezimmerdesign angepasst werden.

Die Summe dessen, was eine Person (oder im übertragenen Sinne auch ein Produkt) einzigartig macht und sie von allen anderen (ihrer Art) unterscheidet. Das Konzept von Individualität ist kulturell und historisch jedoch sehr unterschiedlich. In unserer westlich geprägten Kultur begann sich seit Renaissance und Aufklärung die Überzeugung durchzusetzen, dass der Mensch ein Recht auf Entwicklung und Entfaltung seiner einzigartigen Eigenschaften habe. Das sich durch den Konflikt mit familiären oder gesellschaftlichen Interessen ergebende Spannungsfeld wird heute als Teil unserer individualistischen Kultur akzeptiert, die durch eine Vielfalt an Lebensstilen und Gruppierungen, aber auch zur Vereinzelung geprägt wird. In anderen Gesellschaften wird Individualität gegenüber dem Gemeinwohl als weniger wichtig empfunden. Die individualistische Kultur führt u. a. zu einem sich stetig erweiternden, variantenreichen Konsummarkt und zu einer großen Produkttiefe. Von einem Produkt werden also unterschiedliche Ausführungen angeboten, die sich durch individuelle Kombinationsmöglichkeiten zu einzigartigen Produkten bzw. Arrangements gestalten lassen.

Innenarchitektur, die

[ˈɪnənʔaʁçitɛkˌtuːɐ̯]

Unterteilung des Badezimmer in Zonen mit unterschiedlicher Farbgestaltung und einem Vorwandsystem von Viega

Auch ein Badezimmer mit Dachschräge lässt sich innenarchitektonisch gut gestalten. Mit Hilfe eines Vorwandinstallationssystems kann das Badezimmer zudem in unterschiedliche Bereiche und Zonen unterteilt werden.

Die Raumkunst bzw. Innenarchitektur hat die künstlerische Innenausstattung eines Raumes zum Ziel. Hierbei wurden viele Disziplinen des Kunstgewerbes einbezogen. Die Trennung von Architektur und Innenarchitektur suchten die Vertreter des Bauhauses aufzuheben. Ihre Auffassung von Architektur, Raumkunst, Kunst und Produktdesign als ganzheitliche Gestaltungsaufgabe ist heute wieder weit verbreitet.

Innovation, die

[ɪnovaˈt͡si̯oːn]

Drehschrank aus dem rc40 Solitaire-Programm von Burgbad

Geschlossener Schrank oder offenes Regal? Der neue Drehschrank aus dem rc40 Solitaire-Programm von Burgbad ist beides in einem - eine echte Innovation.

Innovation heißt wörtlich „Neuerung“ oder „Erneuerung“. Im Deutschen wird der Begriff im Sinne von neuen Ideen und Entwürfen verwendet. Innovationen bedeuten also keine Variantenbildung (etwa durch eine modifizierte Produktneuheit), sondern einen Entwicklungsschritt, der zum Beispiel wichtige Produkteigenschaften verbessert oder hinzufügt, eine neue Nutzungs- oder Anwendungsmöglichkeit bringt oder gar die Evolution einer neuen Produktkategorie einläutet. Es gibt technische, materialbestimmte und formale Innovationen, die für das Design relevant sind. Doch der Begriff „innovativ“ sollte nicht gleichbedeutend mit „neu“ oder „originell“ verwandt, sondern sparsam und gezielt eingesetzt werden. Nicht jede Messeneuheit ist eine Innovation. Beispiele für eine Innovation im Badezimmer sind z. B. beschichtete Keramikoberflächen mit Nano-Effekt oder ein Produkt wie das Dusch-WC, das WC und Bidet für eine bessere Intimhygiene miteinander verbindet.

J

Jugendstil, der

[ˈjuːɡn̩tˌʃtiːl]

Der Jugendstil ist eine kunstgeschichtliche Epoche um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Weitere Bezeichnungen sind Art Nouveau, Modern Style, Modernismo, Stile Liberty oder Wiener Secession. Er gilt als eine der ersten Stilrichtungen, die überwiegend durch Design und weniger durch Kunst geprägt war und in der sich ein moderner Designbegriff entwickelte. Das Kunsthandwerk entwickelte dabei eine eigenständige Formensprache und avancierte durch seine industrienahen Produkte (Lampen, Möbel, Gusseisenelemente) im ganzheitlichen Zusammenspiel mit der Architektur zu einem gleichberechtigten Partner.

K

Klassiker, der

[ˈklasikɐ]

Armatur Tara von Dornbracht

Mit ihren Kreuzgriffen gilt sie als Stilikone unter den Badezimmerarmaturen: die Tara. Zum 30. Geburtstag spendierte der Armaturenhersteller Dornbracht ihr eine Oberfläche in Dark Crome.

In der Bildenden und Angewandten Kunst sowie in der Architektur umfasst die sogenannte Klassische Moderne Künstler und Werke aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Das bekannteste Beispiel ist die Kunst-, Design- und Architekturschule Bauhaus. Klassiker gelten als ikonisch in der Form und als stilbildend, d.h., sie finden Nachahmung, mitunter in zeitgenössischer Abwandlung. Im Design kommt der Klassiker dem formalen Ideal, der ihm zugrunde liegenden Idee am nächsten, auch wenn sie funktional vielleicht nicht so perfekt ist wie die Nachfolgeprodukte. Ein typischer Klassiker der Moderne ist der Lounge Chair von Ray und Charles Eames.

klassisch

[ˈklasɪʃ]

Als klassisch wird eine Form bezeichnet, die typisch für ihre Zeit ist und trotzdem zugleich zeitlos wirkt. Klassische Formen gelten als formvollendet und harmonisch — unabhängig von der Epoche oder Disziplin, der sie zuzurechnen sind. Klassische Beispiele finden sich daher sowohl in Musik, Architektur, Mode, Kunst, Design, Literatur sowie auf allen anderen Gebieten, in denen menschliche Leistung zum Maßstab wird.

Komplexität, die

[kɔmplɛksiˈtɛːt]

Im Design bezeichnet der Begriff eine vielschichtige Struktur, deren beziehungsreicher Zusammenhang bzw. deren Ordnung nur schwer nachvollziehbar ist. In der Ästhetik wird die Qualität einer Gestaltung auch dahingehend bewertet, wie gut sie Ordnung (Einheitlichkeit) und Komplexität (Mannigfaltigkeit) zu vereinen weiß. Eine komplexe Form stellt den Gegensatz zu einer einfachen, schlichten Form dar. Sie fordert Aufmerksamkeit und erschließt sich nicht intuitive. Dafür kann sie, wenn sie gut gestaltet ist, immer wieder überraschen und wird nicht so schnell langweilig. Heute verbirgt sich hinter einer schlichten Außenform häufig eine komplexe Struktur - sichtbar gemacht etwa beim legendären transparenten Gehäuse des Apple Rechners.

konkav

[kɔŋˈkaːf]

Als konkav (von lat.: „concavus“ = ausgehöhlt, einwärts gewölbt) bezeichnet man u. a. in der Mathematik und in der Optik Formen (Flächenteile, Linien), die nach innen gewölbt sind und sich dem Betrachter als hohle Einbuchtung zeigen, wie etwa eine Griffmulde, eine Beckeninnenform etc. Im Gegensatz dazu erscheint eine konvexe Form bauchig und erhaben.

Konstruktivismus, der

[ˌkɔnstʁʊktiˈvɪsmʊs]

Stilbegriff, der die Beschränkung auf reine Harmonien einfacher geometrischer Formen bezeichnet. Gegenständliche Motive werden dabei ausgeschlossen. Geht auf die 1915 von Wladimir Tatlin in Moskau gegründete Kunstphilosophie zurück, die weitere Kunstbewegungen der Moderne wie De Stijl und Bauhaus beeinflusste. Unter dem Eindruck der dynamischen Ästhetik des Maschinenzeitalters wurden Künstler zu Ingenieuren, Architekten, Designern oder Typographen. Konstruktion und Materialeigenschaften bestimmten die  Gestaltung.  Diese  „konstruktivistischen“  Gestaltungsprinzipien förderten die Entstehung einer funktionalen Ästhetik in Kunst und Design. Die wichtigsten Impulse kamen aus der Kunst und prägen noch heute mit einfachen geometrischen Formen und einer auf die Grundfarben reduzierten Palette, die von Weiß, Grau und Schwarz dominiert wird, das Verständnis von modernem Design.

Kontrast, der

[kɔnˈtʁast]

Keuco im Badezimmer des Hotels Luc Berlin mit starken schwarz-weiß-Kontraste

Die Badezimmer im Hotel Luc Berlin setzen auf kräftige Akzente und einen modernen Kontrast in schwarz-weißer Farbgebung.

Als Kontrast wird klassischerweise ein Helligkeitsunterschied bezeichnet, der sich durch Farb- und Lichtunterschiede manifestiert, insbesondere natürlich durch Schwarz-Weiß-Abfolgen (in der Fotografie stilprägend). Aber auch Inhalte können im Falle starker Abweichungen im Kontrast zueinander stehen bzw. ein „Kontrastprogramm“ bilden. Das Gleiche gilt für Design (formale Kontraste wie von unterschiedlichen Volumen oder Materialien, Kontrast von Form und Inhalt etc., vgl. „Polarisierung“) sowie für das Interior Design.

konvex

[kɔnˈvɛks]

Konvexe (lat.: „convexus“ = gewölbt, gerundet) Formen (Flächenteile, Linien) sind nach außen gewölbt bzw. erscheinen vorgewölbt und erhaben (Gegenteil: konkav).

Konzept, das

[ˌkɔnˈʦɛpt]

Ein Konzept ist ein Plan oder Programm für ein Vorhaben, das vor jeder materiellen Umsetzung bereits einen künstlerischen oder gestalterischen Wert darstellen kann. Dabei stellt ein Konzept schon die Weiterentwicklung einer Idee dar und berücksichtigt bereits viele Faktoren, die bei der Umsetzung, dem Erfolg und der Wirkung etwa eines neuen Produkts eine Rolle spielen. Dabei ist der konkrete Entwurf der letzte Schritt eines Konzepts. Das Konzept ist aber auch noch im fertigen Produkt erkennbar, und zwar als zugrunde liegende formale Idee sowie als Funktion. Die konzeptionelle Qualität eines Produkts zeigt sich in der Langlebigkeit des Designs genauso wie in einer guten Nutzbarkeit.

 

Konzeptdesign hingegen, in den 70er-Jahren von der Konzeptkunst inspiriert, will eine Reaktion provozieren. Die Funktion wird dabei entweder ironisiert, konterkariert oder übertrieben. Es geht also mehr um die geistige Auseinandersetzung mit einem Gegenstand als um den praktischen Wert für die Nutzer. Tendenzen des Konzeptdesigns finden sich im Radical und Antidesign, etwa bei italienischen Gruppen wie Alchimia sowie bei Gaetano Pesce u. a. m., sowie im Neuen Deutschen Design (vgl. „Neues Design“).

 

Besonders bei visionären Produktkonzepten spielen die Integration und der Einfluss der Mikroelektronik eine immer größere Rolle. In Zeiten virtueller Welten und hochtechnisierter Entwicklungs- und Entwurfsmethoden ist der Wert eines Konzepts oder einer Konzeption aber auch an sich schon fast so viel wert wie das reale Ergebnis. Das zeigt sich etwa an dem anscheinend erfolgreichen Versuch des red dot award, im asiatischen Raum einen eigenen „design concept“-Wettbewerb mit Produktkonzepten zu etablieren.

kubisch

[ˈkuːbɪʃ]

Synonym für würfelförmig. Ein Würfel oder Hexaeder (von griech. „hexáedron“ = „Sechsflächner“, oder Kubus, von lat. „cubus“ = Würfel) ist ein geometrischer Körper mit sechs gleichen Seiten. Er zählt zu den fünf platonischen Körpern (besonders regelmäßige „Vielflächner“). Als kubisch werden aber auch Formen bezeichnet, die nicht in diesem mathematischen Sinne perfekt gleiche Flächen aufweisen, sondern annährend kubisch gestaltet sind — d. h. mehr oder weniger quaderförmig, betont geometrisch, würfelförmig geschichtet etc.


vgl. Kubismus*

Kubismus

[kuˈbɪsmʊs]

Produkte der Serie Eurocube von Grohe in kubistischem Design

Die Badkeramik-Kollektion Cube und die Armaturen-Serie Eurocube von Grohe sind in jedem ihrer Elemente vom Kubismus inspiriert und verkörpert so einen minimalistischen Stil.

Mit Kubismus wird eine Stilrichtung in der Kunst bezeichnet, die in den Jahren um 1906 bis 1908 in Frankreich entstand. Aus heutiger Sicht zählt der Kubismus zu den revolutionärsten Neuerungen der Bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts. Er entstand aus der Avantgardebewegung im Bereich der Malerei, löste den Fauvismus ab und leitete gleichzeitig mit ihm die Klassische Moderne ein. Zu seinen wichtigsten Vertretern zählen Georges Braque, Pablo Picasso und Juan Gris. Der Kubismus, dessen Begriff sich vom französischen Wort „cube“ bzw. aus dem Lateinischen „cubus“ (dt. Würfel) ableitet, brach durch seine künstlerische Darstellungsweise mit der bis dahin vorherrschenden Maltradition.


Der Kubismus findet sich auch heute noch in der Architektur und im Interior Design wieder. Merkmale kubistischer Architektur und kubistischen Designs in unterschiedlicher Ausprägung sind neben der Verwendung von geometrischen Formen, das Vorherrschen rechter Winkel, scharfer Kanten, Multiperspektivität, Dekonstruktion, Fokussierung auf die Zweidimensionalität einer Ebene, kräftige, lebendige Farben sowie Einfachheit und Minimalismus.


vgl. kubisch*

Kultur, die

[kʊlˈtuːɐ̯]

In unserer Gesellschaft steht der Begriff zunächst einmal für kulturelle Einrichtungen und Aktivitäten wie Theater, Musik, Bildende Kunst und Literatur sowie in zweiter Linie für Bildung und Wissenschaft. Doch das sind nur die sichtbarsten Äußerungen einer innerhalb einer Gemeinschaft entwickelten Kultur, die von diversen Faktoren bestimmt warden, wie etwa Sprache, Politik, Familienstrukturen, Wertvorstellungen, Religion, Wohnkultur sowie von sozialem Verhalten u.v.a.m. Das komplexe Phänomen kultureller Identität ist in unserer europäischen Kultur eng mit dem Konzept der Zivilisation verknüpft, das mit der Aufklärung im 18. Jahrhundert zu einem neuen Bild von Gesellschaft und Staat führte.

 

Auch auf Unternehmensebene führen Wertvorstellungen, Historie, markenspezifische Einstellungen zu Qualität und Nachhaltigkeit sowie sozialverantwortliches Verhalten zu einer Kultur, die eine bestimmte Identität formt (vgl. „Corporate Identity“).

L

Landhausstil

[ˈlantˌhaʊ̯sˌʃtiːl]

Natürliche Materialien, rustikale Möbeln und dekorative Elemente zeichnen den Landhausstil aus. Er steht für Gemütlichkeit, Natürlichkeit sowie eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte und will eine entspannende Wohlfühlatmosphäre schaffen. Seinen Ursprung hat der Landhaus-Stil in der Architektur des ländlichen Europas im 18. Jahrhundert und den rustikalen Einrichtungen der dortigen Bauernhäuser. Im 19. Jahrhundert fand er zunehmend Einzug in städtische Wohnungen und Häuser und erlebt seit Beginn des 21. Jahrhunderts eine Renaissance.


Zu den Hauptmerkmalen des Landhausstils zählen natürliche Materialien wie Leinen, Baumwolle, Stein und, vor allem, Holz – Materialien, die der Inneneinrichtung Wärme und Gemütlichkeit verleihen sollen. Das gilt ebenso für die Gestaltung von Decken, Wänden und Böden, wie auch für Möbel, die häufig aus Massivholz gefertigt sind und gerne auch Gebrauchsspuren zeigen dürfen.


Bei den Farben dominieren sanfte Erdtöne sowie Beige und Cremeweiß. Muster wie Karos und Streifen, aber auch Blumenmotive werden häufig verwendet. Dekorative Elemente wie Körbe, alte Fundstücke und Blumenarrangements sind typische für diesen Einrichtungsstil.


Allerdings weist der Landhausstil regionale Unterschiede auf: So dominieren im skandinavischen Landhaus helle Farben und einfache Formen – ein Mix aus Funktionalität und Gemütlichkeit steht im Vordergrund. Das mediterrane Landhaus zeichnet sich dagegen eher durch warme Töne, viel Terrakotta und die Verwendung von Naturstein aus. Der charmant-elegante englische Landhausstil besticht durch antike Möbel, florale Muster und Porzellan auf einem Kaminsims. In Frankreich kennzeichnen geschwungene Möbel mit filigranen Verzierungen und Polstermöbel den Landhausstil. Für das deutsche Landhaus stehen dunkles Holz, gedrechselte Möbel, offene Balken und Karomuster. Der moderne Landhausstil kombiniert diese Elemente mit einer gewissen Leichtigkeit.

M

Marke, die

[ˈmaʁkə]

Eine rechtlich geschützte Kennzeichnung von Wirtschaftsprodukten. Durch Hersteller oder Handelsunternehmen zur Gewährleistung der Herkunft aus einem Hersteller- oder Handelsbetrieb einerseits und gleichbleibenden Eigenschaften (des Produkts oder des Unternehmens) andererseits. Eine Marke zeichnet sich durch ein gleichbleibendes Niveau in Bezug auf Qualität, Designcharakter und Stil aus. Sie kann bei konsistentem Corporate Design und gelebter Corporate Identity eine feste Größe werden, die Verlässlichkeit und Vertrautheit ausstrahlt.

materialgerecht

[mateˈʁi̯aːlɡəˈʀɛçt]

Das Entgegenkommen von Form und Material: Wenn die Herstellung und die Gestaltung eines Produkts dem verwendeten Material entspricht, sodass kein übermäßiger Energieverbrauch, Materialverbrauch oder Qualitätsverlust auftritt, spricht man im Design von materialgerechter Gestaltung.

Memphis Design

[ˈmɛmfɪs diˈzaɪ̯n]

Memphis ist eine Künstlergruppe, die sich 1980 aus Designern und Architekten in Mailand gegründet hat. Zu ihnen gehörten u.a. Aldo Cibic, George Sowden, Martine Bedin, Matteo Thun, Marco Zanini, Michele De Lucchi, Nathalie Du Pasquier and Ettore Sottsass, der mit damals bereits über 60 Jahren ältester Kopf der Gruppe war. Das Memphis Design war eine (Gegen-)Reaktion auf das cleane und geradlinige Mid-Century-Design der 1950er und 1960er Jahre sowie auf den Minimalismus der 1970er Jahre. Von den Memphis-Mitgliedern als zu starr empfunden, galt es für sie, das Diktat des Funktionalismus zu überwinden und die Regeln des gültigen guten Geschmacks zu brechen.

Mid Century Design

[mɪd ˈsɛnʧʊri dɪˈzaɪn]

Badezimmer im Mid-Century-Style mit Badmöbeln von burgbad

Die Kollektion Lavo 2.0 von burgbad: Eine elegante Formensprache rund ums Oval, hochwertige Oberflächen, Konsolen und Highboards sowie eine stimmungsvolle Akzent-Beleuchtung sorgen für ein emotionales Ambiente im modern interpretierten Mid Century Style.


Die Zeit des Mid-Century-Designs erstreckte sich von etwa 1933 bis 1965 und umfasste sowohl Architektur als auch Industrie-, Interior- und Grafikdesign. Bekannte Vertreter sind Charles und Ray Eames, Harry Bertoia, Arne Jacobsen und George Nelson. Die Hauptmerkmale des Mid-Century Designs sind organische bzw. natürliche Einflüsse, einfache Formen, helle Farben, die Verwendung neuer Materialien wie Aluminium und Kunststoff, aber auch Holz, sowie die Hervorhebung der Funktion und des Demokratischen Designs, also eines Designs.


Der Stil entstand aus der Moderne des frühen 20. Jahrhunderts, und ist von unterschiedlichen europäischen Stilen, die ihm vorausgegangen waren, beeinflusst, so etwa vom Jugendstil, der Arts & Craft-Bewegung, dem Bauhaus und dem Art Déco. Dank neuer Technologien und Materialien sowie eines neu gefundenen Wohlstands setzte sich der Mid-Century-Stil nach dem Zweiten Weltkrieg durch. Die Migration in urbane Räume und damit kleinere Wohnräume prägte auch die Entwürfe der damaligen Zeit. In der Architektur wurde der Stil von Architekten wie Richard Neutra und Rudolph Schindler geprägt, bekannt für ihre Verwendung von großen Glas- und flachen Flächen und einer starken Verbundenheit mit der Natur.


Abzugrenzen ist Mid-Century von dem Stil Modern Mid-Century, bei dem es sich um eine amerikanische Stilbewegung handelt, charakteristisch für die Zeit zwischen 1950 und 1970.


Minimalismus, der

[minimaˈlɪsmʊs]

Gestaltungsgrundsatz, der in unterschiedlichen Stilen Verwendung finden kann. Ästhetisches Ziel im Minimalismus ist es, durch eine Reduzierung der Mittel auf das Wesentliche, durch Beschränkung auf den Kern einer Sache ein funktionales und visuelles Ergebnis zu erzielen, das durch Eleganz, geringen Materialeinsatz und formale Konzentration charakterisiert ist. Das Motto „Weniger ist mehr“ geht von der auch im asiatischen Kulturkreis bekannten ästhetischen Regel aus, dass durch Weglassen häufig ein stärkerer Ausdruck erzielt wird, weil nichts Überflüssiges von der „Idee“ ablenkt. Das entsprechende Adjektiv „minimalistisch“ wird oft gleichbedeutend mit „klar“, „einfach“, „reduziert“ verwendet.

 

Typisch für die minimalistische Gestaltung in Architektur und Design ist die Vermeidung jeglicher Überfrachtung, der Einsatz von Primärfarben (Rot, Gelb, Grün, Blau) bzw. geometrischen Primärformen (z. B. Kreis, Quadrat, Dreieck) und kleinen Dimensionierungen bei großflächiger Formensprache. Glatte Oberflächen dominieren. Damit ist oft auch eine kühle, rationale Ausrichtung verbunden, häufig mit funktionalistischer Tendenz. Doch auch bei organischer oder klassischer Formensprache kann minimalistisch gearbeitet werden. Im Design verbindet man mit dem Begriff Minimalismus eine elementare, puristische Tendenz, die sich in den 1980er-Jahren bewusst vom Studio Alchimia und Memphis absetzte. Das Ideal des Minimalismus ist die Einfachheit. Einfachheit bedeutet, dass nur wenige Faktoren zum Entstehen einer Form beitragen. Häufig verbirgt gerade eine minimalistische Produktgestaltung ein sehr komplexes Innenleben bzw. eine komplexe Materialverarbeitung.

modern

[moˈdɛʁn]

Im allgemeinen Sprachgebrauch bedeutet modern zeitgemäß, aktuell, fortschrittlich oder auch angesagt bzw. der neusten Mode entsprechend. Den Begriff als Synonym von „modisch“ zu verwenden, greift aber zu kurz, da er auch auf den neusten Stand der gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und technischen Entwicklung hinweist. Im Design ist meist ein zeitaktueller Bezug gemeint. Weniger gängig ist die Verwendung des Begriffs im Sinne der Klassischen Moderne (frühes 20. Jahrhundert), die meist im Kontext spezifiziert wird.

Moderne, die

[moˈdɛʁne]

Moderne (bzw. Modernismus) bezeichnet in der Architektur eine nicht allgemein abzugrenzende Architekturepoche. Der Begriff wird aber auch für eine uniforme, durch den Internationalen Stil verbreitete Formensprache verwendet. Bereits die Tendenzen seit dem Klassizismus (um 1800) werden teilweise als Moderne bezeichnet, ebenso wie zeitgenössische Strömungen. Die Verwendung des Begriffs ist daher teilweise kontextabhängig. So werden auch Postmoderne und zeitgenössische Architektur als Moderne bezeichnet, ohne dabei auf einen konkreten Architekturstil zu referieren.


Heute geht man davon aus, dass erste modernistische Ansätze in der Arts & Crafts-Bewegung in Großbritannien Mitte des 19. Jahrhunderts und in Jugendstil und Art Deco um die Jahrhundertwende in Europa entstanden und im Deutschen Werbund erste Theorien entwickelt wurden.Der eigentliche Modernismus begann nach dem Ersten Weltkrieg und schließt verschiedene Strömungen ein, die sich oft nicht eindeutig voneinander abgrenzen lassen. Dazu zählen etwa Neues Bauen, De Stijl, Expressionismus, Bauhaus, Neue Sachlichkeit, Rationalismus, Internationaler Stil, Kunstruktivismus und Funktionalismus.

modular

[moduˈlaːɐ̯]

Das Modul ist ein Bauteil eines größeren Gesamtsystems. Modularisierung bedeutet dabei das Aufteilen eines Ganzen in mehrere Teile. Bei der Modulbauweise werden Gesamtsysteme aus standardisierten Einzelbauteilen zusammengesetzt. In der industriellen Fertigung verbessert die Modularisierung die Effizienz, während das fertige, modulare Produkt vor allem Nutzervorteile mit sich bringen kann. So sind manche hoch entwickelte, vor allem aber gängige Produktlinien im Möbelbereich modulartig aufgebaut, sodass eine Kollektion sich individualisieren und den sich verändernden Gegebenheiten flexibel anpassen lässt.

monoton

[monoˈtoːn]

Monotonie bezeichnet in der Umgangssprache oft eine Form der Langeweile oder auch Eintönigkeit (z. B. bei wenig abwechslungsreichen Tätigkeiten). Eine Kollektion, die keinerlei Varianz in der Formgebung mehr aufweist, oder ein emotionsloses, einseitig funktionalistisch gestaltetes  Produktdesign läuft sehr schnell Gefahr, monoton und damit langweilig zu wirken. Monotonie auf Basis minimalistischer Gestaltung wiederum, kann einen reizvoll meditativen Effekt erzielen.

N

naturalistisch

[natuʀaˈlɪstɪʃ]

So realitätsgetreu dargestellt wie technisch möglich, täuschend echt, perspektivisch überzeugend, detailgetreu und nichts beschönigend. Dabei bietet die äußere Richtigkeit, die der Photorealismus auf die Spitze trieb, allerdings keine Garantie für innere Wahrheit. Der Begriff geht auf den Naturalismus zurück, eine Strömung in Literatur, Kunst und Theater von ca. 1880 bis 1900.

Neoklassizismus

[neoklasiˈtsɪsmʊs]

Die Anfänge des Neoklassizismus liegen in den USA im Chicago der 1890er Jahre und prägen in den folgenden Jahrzehnten das gesamte offizielle Bauen in den USA. In Deutschland kommt der Neoklassizismus um 1908 als eine Reaktion auf den Jugendstil als erste Tendenzen zur Sachlichkeit im Umkreis des Deutschen Werkbundes auf. Bereits um 1910 hatte der Neoklassizismus den Jugendstil in Deutschland gänzlich verdrängt.


Seit den 1920er Jahren steht der Neoklassizismus in Konkurrenz zu Expressionismus, Bauhauses und der Neuen Sachlichkeit. Unter Rückbesinnung auf die antike Architektur Griechenlands und Roms prägte eine klassische Ordnung das Erscheinungsbild. Ein hohes Maß an Symmetrie sowie einfache geometrische Formen und Ornamentik war ebenso stilbildend wie die Verwendung heller Farben.


Während anfangs der Neoklassizismus in Europa und Amerika staatsformunabhängig in Erscheinung trat, wurde er im Laufe der 1930er Jahre zunehmend von den totalitären Regimen in Deutschland, Italien und Russland in propagandistischer Selbstdarstellung zum repräsentativen Staatsstil erhoben.

Neue Bescheidenheit

Auch als „Neue Einfachheit“ bekannt gewordene, in der englischen Avantgarde formulierte „back  to basic“-Designphilosophie, die in den 1990er-Jahren in Ablehnung des Trends zum Luxus und Konsumkult der 1980er-Jahre eine betont schlichte Ästhetik und Produktanmutung entwickelte. Als Hauptvertreter neben Ron Arad, Tom Dixon u. a. gilt vor allem Jasper Morrison. Raue Materialien wie unbehandelter Stahl, Schichtholz oder Beton, eine experimentelle oder minimalistische Formgebung und die Verarbeitung vorgefundenen Materials zu Ready-mades sind charakteristische Elemente dieses sich aus dem Neuen Design entwickelnden Stils. Seine Motivation liegt weniger im Konsumverzicht als in der Aufforderung zu Konsumselektion und einer konsequenteren Qualitätsorientierung.

Neues Design

Sammelbegriff für diverse theoretische, experimentelle und praktische Neuansätze im Design der späten 1970er- und 1980er-Jahre. Damit sind stilistisch gänzlich verschiedene formale Äußerungen zwischen Anarcho-Design, Neobarock und Minimalismus umfasst. Ironie, Provokation, Stil- und Materialmix waren die angesagten gestalterischen Mittel. In Abkehr vom klassischen Funktionalismus musste es zunächst außerhalb der industriellen Fertigung nach neuen Lösungen suchten. Eine typische Organisationsform des Neuen Designs sind Gestalter- und Produzentengruppen, in denen Unikate und Arbeiten von nahezu kunsthandwerklichem Charakter realisiert werden konnten. Ein Prinzip, das heute noch von einzelnen Designern wie Michele de Lucchi betrieben und von anderen Designern neu entdeckt wird, die ihre Entwürfe als Unikate fertigen und von Galerien auf Kunstmessen verkaufen lassen.

Nostalgie, die

[[nɔstalˈɡiː]

Die Erinnerung an die gute alte Zeit: Gefühle unbestimmter, rückwärts gewandter Sehnsucht, die zur Verklärung oder zum Wiederbeleben vergangener (Stil-)Erscheinungen in Design, Kunst, Musik, Mode u. a. motivieren. Dies kann sich in designten Welten im Landhausstil oder in klassischer Manier genauso äußern wie im Zitieren von Flower-Power-Stilelementen der 1960er-Jahre. Dabei geht es um die möglichst genaue Rekonstruktion von etwas Vergangenem, ohne etwas Neues hinzuzufügen oder durch die Kombination von Altem und Modernem einen neuen Gestaltungsansatz zu finden (vgl. „retro“).

O

Opulenz, die

[opuˈlɛnt͡s]

Üppige Formen (von lat. „opulentia“ = Wohlhabenheit, Reichtum, Üppigkeit, Überfluss), die meist einen übertrieben wirkenden Eindruck machen, wenn sie nicht in einem stilistisch authentischen Zusammenhang stehen (etwa innerhalb eines organischen Designkonzepts).

Organisches Design

Erinnert in seiner Form an einen Taupropfen: der Waschtisch Antoa von Villeroy & Boch, entworfen von dem Kölner Design-Duo kaschkasch.

Organisches Design steht sowohl für eine Stilrichtung als auch für einen Gestaltungsgrundsatz bzw. ein Konstruktionsprinzip. Als Stilbegriff bildet es den Gegensatz zu geometrischen, funktionalistisch-sachlichen Stilrichtungen, da es sich an organischen Formen und gelegentlich auch an anorganischen, insbesondere kristallinen Strukturen orientiert, die aber beide in der Natur vorkommen. Kraftvolle Wölbungen und dynamische Rundungen sind klassische Kennzeichen organischer Gestaltung. Typischerweise, aber nicht ausschließlich, werden amorphe, natürlich anmutende und die Natur symbolisierende Formen verwendet, um einen wohltuend natürlichen Eindruck zu erzielen. Viele Entwürfe spielen auf gewachsene oder von Naturgewalten geschliffene Strukturen an.

 

Als Gestaltungsprinzip ist das organische Design in vielen verschiedenen Stilrichtungen zu finden, es gibt hierfür keine stilistische Einheit. Organische Formfindung ist vielmehr sowohl in traditioneller als auch in Hightech- oder minimalistischer Stilgebung anzutreffen. Charakteristisch ist hier nicht der stilistische Ausdruck, sondern das der Natur nachgeahmte Konstruktionsprinzip (zellular, vernetzt, skelettartig, kristallin etc.), in dem die klassische statische Stützen-Lasten-Kombination zugunsten einer elastischer und freier wirkenden Konstruktion aufgegeben wird. Gemeinsam ist allen organischen Objekten eine von innen nach außen entwickelte Formgebung und eine Betonung des emotionalen Ausdrucks. Wiederkehrende Techniken sind ein asymmetrischer Aufbau, fließende Linienführung und weiche Formgebung, gerichtete Strukturen, plastische Volumen und eine dynamische Formensprache. In der organischen Architektur scheinen die Bauten mal zu wachsen, mal förmlich von innen nach außen zu explodieren.

 

In der Architektur haben Frank Lloyd Wright, Le Corbusier, Eero Saarinen und im deutschen Raum vor allem Hans Scharoun wegweisend gewirkt. Die Architektur Rudolf Steiners hingegen führte zu einem Sonderweg. Heute weisen futuristisch wirkende Architekturen von Frank O. Gehry, Zaha Hadid oder des Grazer Kunsthauses von Peter Cook wieder vermehrt organische Gestaltungselemente auf. Als herausragende Vertreter des organischen Designs gelten neben Vordenkern wie etwa Charles Eames, Ron Arad, Joe Colombo, Luigi Colani, Massimo Iosa-Ghini und Ross Lovegrove.

Ornament, das

[(ɔrnaˈmɛnt]

Das Ornament (von lat. „ornare“ = schmücken, zieren) ist ein meist sich wiederholendes, oft abstraktes oder abstrahiertes Muster. Als Schmuckform, aber auch als Symbol hatte es eine jahrtausendealte Geschichte, bevor es nach einem Höhepunkt im Jugendstil von den Funktionalisten verteufelt wurde.

P

Plagiat, das

[plaˈɡi̯aːt]

Diebstahl geistigen Eigentums. Von einem Plagiat (von lat. „plagium“ = Menschenraub abgeleitet) wird gesprochen, wenn die Vorlage fremden geistigen Eigentums bzw. eines fremden Werkes als eigenes Werk oder als Teil eines eigenen Werkes ausgegeben wird. Es ist unter bestimmten Voraussetzungen strafbar und verpflichtet dann den Plagiator zum Schadenersatz. Im Unterschied zur Kopie oder Fälschung ist ein Plagiat nicht unbedingt identisch mit der Vorlage. Es wird auch nicht vorgetäuscht, dass es sich bei dem Plagiat um das Original handelt. Vielmehr wird abgestritten, dass es sich um ein Nachahmer-Produkt handelt.

plastisch

[ˈplastɪʃ]

Erhaben, dreidimensional, in den Raum hinein wirkend. Bei einer zweidimensionalen oder sprachlichen Darstellung spricht man von einer plastischen Wiedergabe eines Gegenstandes oder einer Idee, wenn sie perspektivisch überzeugt bzw. lebendig, lebensnah und eindrücklich geschildert ist.

Polarisierung, die

[polaʁiˈziːʁʊŋ]

Polarisierung bezeichnet ganz allgemein den Prozess des Auseinanderdriftens zweier oder mehrerer entgegengesetzter Positionen. In der Gestaltung kann der Aufbau von gegensätzlichen Polen einem bewussten Spannungsaufbau dienen. Sie können etwa durch eine Kombination von organischer und geometrischer Formensprache, von unterschiedlichen Materialien und Farben oder beim Zusammenbringen von bekannten Formen und ungewöhnlichen Funktionen entstehen.

Postmoderne, die

[ˈpɔstmoˌdɛʁnə]

Als Epochenbegriff bezeichnet Postmoderne (= Nach-Moderne) die Zeit nach der fortschrittsgläubigen Moderne. In der Philosophie, der Sprachforschung und allen gestaltenden Disziplinen hatte die Postmoderne großen Einfluss auf die gesamte westliche Kultur. Mitte der 1970er-Jahre formierte sich die Avantgarde-Bewegung, die in den 1980er-Jahren stilprägend wurde. In der Architektur wurde sie hauptsächlich durch die Amerikaner Robert Venturi und Charles Jencks und im Design durch Ettore Sottsass oder Alessandro Mendini bzw. durch italienische Gruppen wie Alchimia und Memphis inspiriert. Ursprünglich als Protest gegen die emotionsleere funktionalistische Gestaltung gedacht, war der postmoderne Stil im Design ein großer kommerzieller Erfolg, dem aber bald unpraktische und beliebige Formgebung und ein z. T. kitschiger Stil vorgehalten wurde.

 

In der Postmoderne werden Formen meist als Zitat eingesetzt – spielerisch, dekorativ und oft ohne eine wirkliche Funktion. Nicht die Neufindung, sondern die Rekombination und neue Anwendung von Formen und Ideen gilt als originell. Als künstlerische Techniken dominieren die Dekonstruktion, das Sampling und Mixen von Vorgefundenem. Vergangene Stile warden z. T.  ironisch in  Szene  gesetzt. Das  Weltbild der Postmoderne war pluralistisch, fraktal, von zufälligen Kreisläufen bestimmt. Die vornehmlich in der Architektur geführte Postmoderne-Diskussion über die Bedeutung der Formen (in Abwendung vom monotonen Funktionalismus im „Internationalen Stil“) fand auch im Design Widerhall. Die kommunikative Funktion der Gegenstände geriet wieder stärker ins Blickfeld. Architektur und Design setzen sich seither wieder stärker mit der „Sprache der Objekte“ auseinander.

Private Spa, das

Das Pri­vate Spa ist ein Bad­kon­zept, das die Rou­tine zum Ritual und das Was­ser zum Erleb­nis macht. Für den Well­ness*-Effekt sor­gen sowohl Aus­stat­tungs­ele­mente wie Regen­du­sche, Sauna oder Whirl­wanne als auch wei­che Fak­to­ren wie das Raum-Ambi­ente, Möbel und eine sinn­li­che Insze­nie­rung. Der Begriff Pri­vate Spa steht für indi­vi­du­elle Bad­kon­zepte, die eine ganz­heit­li­che Gestal­tung des Bades zu einem Erleb­nis­raum ver­fol­gen.

Produktdesign, das

[pʀoˈdʊktdiˈzaɪ̯n]

Entwurf und Entwicklung von Produkten für die industrielle Herstellung. Im Gegensatz zu anderen Disziplinen des Designs, wie insbesondere zum Grafikdesign, werden im Produktdesign dreidimensionale Gegenstände entwickelt, die für die Benutzung durch den Menschen gedacht sind und deshalb bestimmte Anforderungen erfüllen müssen: Sie müssen funktional sein (d. h. ihren Zweck optimal erfüllen), gebrauch freundlich bzw. praktisch, ergonomisch gestaltet und haltbar sein. Da sie alle Sinne des Menschen ansprechen sollen, werden auch hohe Anforderungen an die ästhetische Erscheinung des Produkts gestellt – der Gegenstand soll (möglichst lange) schön sein (Optik), sich gut anfühlen (Haptik), gut riechen und klingen (etwa im Automobildesign wichtig) und evtl. auch eine neue sinnliche Erfahrung vermitteln. Eine weitere wichtige Aufgabe des Produktdesigns ist die Nachhaltigkeit. Durch umweltfreundliche Materialien und Herstellungsprozesse, Langlebigkeit, Möglichkeit des Produkt-Recyclings soll eine günstige Energiebilanz bei Produktion und Benutzung gewährleistet werden.

 

Ein wichtiger Aspekt bei der Produktentwicklung ist zudem, den Entwurf auf die industrielle Massenfertigung abzustimmen, sodas sich das Produkt maschinell oder mit wenigen Arbeitsschritten, mit möglichst wenig Materialeinsatz und damit möglichst preisgünstig herstellen lässt. Dieser Aspekt wird heute allerdings nicht immer berücksichtigt. Die Massen(produktions) tauglichkeit eines Designobjekts wird nicht mehr unbedingt als verpflichtende Aufgabe betrachtet. Diese Entwicklung ist wohl teils der technischen Entwicklung geschuldet, die es möglich macht, sehr individuell und in kleinen Auflagen zu produzieren. Zum anderen führt auch die Annäherung der Disziplinen Design und Kunst zu der Entstehung von immer mehr Produkten in limitierter Auflage.

Profil, das

[pʁoˈfiːl]

Eigentlich bedeutet Profil in der Architektur und im Design lediglich einen Querschnitt, eine Seitenansicht oder den Umriss einer Form. Im Kontext der heutigen Formen- und Produktfülle steht Profil – als ästhetisches Äquivalent zum Konzept der Identität – zusätzlich für Differenzierung (vom Markt), für Originalität, Eingängigkeit und Individualität. Paradoxerweise gewinnen Produkte genauso wie Personen an Profil, wenn sie sich durch bestimmte Handlungen, ergänzende Eigenschaften oder formale Effekte „profilieren“. Also dadurch, dass sie in den Augen der Konsumenten und des Publikums eine „Tiefe“ gewinnen, die das ursprünglich zweidimensionale Bild (denn ein Profil ist ja eigentlich nu rein Querschnitt) mit Charakter füllt. Auch im Design lautet die Herausforderung, die richtige Balance zwischen klassischen, zeitlosen Eigenschaften und trendgerechten oder originellen Formgebungen zu finden.

Proportion, die

[pʀopɔʁˈʦi̯oːn]

In der Ästhetik bezeichnet Proportionalität für das Auge besonders „angenehme“ Größen- oder Längenverhältnisse. In der Bildenden Kunst wird mit Proportion das (als idealer Maßstab geltende) Verhältnis der Körperteile zueinander und zum Ganzen gemessen und in der Architektur die Breiten-, Höhen- und Tiefenmaße in Beziehung zum Gesamtbauwerk (vgl. „Goldener Schnitt“). Das Empfinden von Ausgewogenheit der Proportionen ist biologisch, ästhetisch und kulturell determiniert. In der Mode wandelt sich der Geschmack schneller als in anderen Bereichen, während etwa in der Architektur die Proportionen auch statikbedingt berechnet werden müssen. Im Design sind derzeit leichte Verzerrungen der Volumenproportionen in Richtung XXL festzustellen, während die minimalistische Proportionsgestaltung etwa bei hightechbetonten Produkten und Strukturen ins umgekehrte Extrem tendiert.

Purismus, der

[puˈʁɪsmʊs]

Purismus wird heute meist gleichgesetzt mit „Schlichtheit“ und „Einfachheit“. Purismus will eine kulturelle Eigenart so authentisch, ursprünglich und rein wie möglich erhalten. Insofern kann auch eine stilreine klassizistische Gestaltung als puristisch verstanden werden. Purismus ist daher immer mit einer gewissen Strenge verbunden. Ursprünglich stammt der Begriff aus der Sprachkritik, wobei ein reiner, unverfälschter, von allen Fremdkörpern befreiter Stil gefordert wird. Als gestalterische Haltung ist der Purismus entstanden aus einer sich vom russischen Konstruktivismus herleitenden Ästhetik, der eine klare, strenge Kunst auf der Basis rein architektonischer und geometrischer Formen forderte. Das Ideal ist die Komposition aus elementaren geometrischen Formen bei der Vermeidung rein dekorativer Effekte.

 

Im heutigen, vornehmlich auf Design bezogenen Sinne bezeichnet Purismus eine extrem reduzierte Formensprache mit schon fast asketischer Ästhetik. Hierbei kann auch eine moralische Komponente anklingen: Bescheidenheit in der äußeren, formalen Gestaltung, die eine fast schon sakrale Konzentration auf innere Qualitäten befördern soll. Da der Purismus auch das Ideal der Echtheit vertritt, wird hier – im Unterschied etwa zum Minimalismus – nichts kaschiert, um homogener und glatter zu wirken. Alle Dinge sollen für sich sprechen. Typisch sind ein reduzierter Materialmix, unbehandelte Oberflächen, Klarheit durch scharfe Linienführung, geometrische oder archetypische Formen (auch traditionelle, einfache Formen), eine farblich tendenziell homogene Gestaltung oder harte Kontraste mit wenigen Primärfarben, Schwarz-Weiß-Kombinationen und Grauschattierungen.

Q

Qualität, die

[ˌkvaliˈtɛːt]

Qualität (von lat.: „qualitas“ = Beschaffenheit, Eigenschaft, Zustand) bezeichnet die Beschaffenheit und Eigenschaft oder den Zustand von Produkten, Stoffen, Objekten oder Vorgängen. Damit ist Qualität an sich streng genommen noch kein Wert, sondern eine Maßeinheit, die in „hoch“ oder „niedrig“ bewertet wird. Meist jedoch wird mit dem Begriff eine hohe Qualität gemeint. Selbst im Produktdesign gibt es unterschiedliche Arten von Qua-lität: ästhetische Qualität (wobei ein Produkt trendorientierte oder zeitlose Qualitäten besitzen kann), Material- und Verarbeitungsqualität, Funktionalität, Verlässlichkeit, Langlebigkeit etc. Ob die Designqualität eher im Trendfaktor gesucht oder in der langen Gültigkeit bzw. im mit der Zeit eher wachsenden Sympathiewert gesehen wird, ist dabei Geschmackssache.

R

Radical Design

Von den späten 1960er- bis in die späten 1970er-Jahre aktive italienische Gegenbewegung zum trist-funktionalistischen wie auch zum leicht-konsumierbaren und fetischistischen Design. Ihre Vertreter waren gesellschaftskritisch motiviert, drückten sich aber weniger durch konkrete Produkte als durch Zeichnungen, Fotomontagen und Projektionen aus. Die dem Radical Design zugehörigen Gruppen Superstudio, Archizoom, Alchimia u. a. vertraten anti-industrielle Ansätze. Als geistiger Vater gilt Ettore Sottsass, der in der Alchimia-Nachfolgegruppe Memphis u. a. zusammen mit Michele De Lucchi eine Werbung, Industrie und Konsum bejahende Gestaltungsphilosophie vertrat.

retro

Retro (von lat. „retro“ = rückwärts) ist ein Trendphänomen bzw. ein kulturelles Phänomen der Neuzeit, bei dem kulturelle Erinnerungsstücke zurückliegender Jahrzehnte, vom Alltagsgegenstand bis zum Musikstück, auf unterschiedliche Weise wieder aufgenommen und neu verarbeitet werden. Da es sich eher um ein Stilprinzip als um einen speziellen Stil (etwa den der 70er-Jahre) handelt, ist ein Retro-Stil nicht an eine bestimmte Epoche gebunden.

 

Im Design äußert sich dies durch formale Anlehnung an traditionelle Vorbilder, ohne dass sich Designer dabei an das Original gebunden fühlen. Auch wenn es im Retro-Design durchaus nostalgische Anklänge gibt, so steht doch das Interesse an formaler Variation im Vordergrund. Bei den hochwertigen Retro-Beispielen geht es daher eher um eine sinngemäße Nachahmung bzw. um eine formale Assoziationen anwendende Neuschöpfung als um eine reine Kopie.

rustikal

[ʁʊstiˈkaːl]

Die traditionelle Bedeutung ist „ländlich“, „schlicht“, „bäurisch“. Im Design werden rustikale Stilelemente gerne zitathaft verwendet, um eine traditionelle Formgebung zu betonen und gleichzeitig einen Verfremdungseffekt zu erzielen. Dabei werden einzelne konstruktive oder rein dekorative Formelemente sowie Oberflächen größer oder gröber ausgeführt, als es notwendig oder technisch machbar wäre, um einen ursprünglichen, handwerklich anmutenden Charakter zu erzielen. Aus dem gleichen Grund werden natürliche Materialien wie Holz (oder deren Imitationen) verwandt. Als Stilebene verweist ein rustikales, ländlich anmutendes Design auf das Ideal eines „einfachen Lebens“.

S

skulptural

[skʊlptuˈʁaːl]

Die skulpturale Grundform des Kreises setzt sich von den Griffelementen der Serie fort.

Eine Skulptur ist ein plastischer, dreidimensionaler Körper, meist mit künstlerischem Anspruch, der seine Wirkung dadurch entfaltet, dass er aus mehreren Perspektiven formale und häufig symbolische Ausdruckskraft besitzt und sich von seiner Umgebung deutlich abhebt. Ein skulpturales Designelement entwickelt eine eigene, selbstständige Aussage, indem es sich aus seiner Umgebung löst und die Raumwahrnehmung nachhaltig beeinflusst. In diesem Sinne sind skulpturale Elemente die Gegenspieler zu den „architektonischen“ zu verstehen und einzusetzen.

Starck, Philippe

Der französische Designer Philippe Starck war bereits für eine ganze Reihe deutscher Sanitärunternehmen tätig.

Der Franzose Philippe Starck (*18. Januar 1949 in Paris) zählt zu den bekanntesten Designern weltweit. Seine Arbeiten umfassen ein weites Feld vom Interior Design über Produkt- und Fooddesign bis zur Architektur. Starck studierte an der Pariser École Nissim de Camondo, gründete 1968 eine Firma für aufblasbare Objekte und war 1971–72 als Art Director für Pierre Cardin tätig. Die von ihm gestalteten Nachtclubs La Main Bleue (1976) und Les Bain-Douches (1978) begründeten seinen Ruf als Trendsetter. 1980 gründete er das Produktions- und Marketingstudio Starck Product. Die Ausstattung des Café Costes (1981) und die von Staatspräsident François Mitterrand in Auftrag gegebene Inneneinrichtung des Élysée-Palasts (1983) sind prominente Beispiele für das sich in Frankreich vorzüglich im Einrichtungsbereich manifestierende Neue Design.

 

Seine undogmatische Vorstellung von einem demokratischen, d. h. erschwinglichen und damit massenkulturell wirksamen Design führte u. a. zu Produktserien für Kaufhausketten. Gleichzeitig entwarf er das Interior Design für eine Reihe von Luxushotels, die für die Entstehung eines neuen Hotelimage bestimmend waren. In den 1990er-Jahren überrascht er durch klassische und ironische Formen in ungewohnten Materialkombinationen, etwa durch im Spritzgussverfahren gefertigte Kunststoff-Sitzmöbel oder einen Hocker in Form eines Gartenzwergs. Seine Vision von einem „Salon d’Eau“ verwirklichte Starck zusammen mit den deutschen Unternehmen Duravit, Hoesch und Hansgrohe (1994). Seine insgesamt vier Badkollektionen dokumentieren mit ihrer minimalistischen Ästhetik eine zunehmende Reduktion seiner Formensprache.

 

Starck macht sich selbst zum Objekt, wie etwa in der von ihm selbst gestalteten Retrospektive im Pariser Centre Georges Pompidou (2003). Selbstinszenierung und Selbstdemontage erscheinen in den Arbeiten Philippe Starcks als Einheit, da sie die Widersprüchlichkeit selbst immer wieder thematisieren. So vereinen sich in seinen für Flos entwickelten Leuchten „Collection Guns“ und „Collection La Vie“ Konsumkritik und -lust, Moral und Ironie zum vorgefertigten Kultobjekt.

Stil, der, Pl.: Stile

[stiːl]

Stil ist in erster Linie der Ausdruck von Persönlichkeit. Er kann aber nicht nur eine individuelle Ausdrucksweise bezeichnen, sondern auch die typische Darstellungs- und Ausdrucksweise einer Epoche (wie der Jugendstil), einer Region (etwa das italienische „Bel Design“) oder von Kunstschaffenden bzw. einer Gruppe (Bauhaus, Memphis etc.). Ein Stil ist gekennzeichnet durch wiederkehrende, charakteristische Merkmale, durch die Auswahl und die Anwendung von Formen. Bilden diese Merkmale ein einheitliches, bei vielen Individuen nachzuweisendes Muster, spricht man in der bildenden Kunst von einer Stilrichtung. Bilden diese Ausdrucksmittel sich zu einem persönlichen Stil aus, spricht man von einem Individualstil, der in der Kunst, im Design oder in der Mode wieder zu finden ist. Ein Stil kann aber auch unabhängig von Persönlichkeiten und Zeiten als „archaisch“, „ideal“ oder als „naturalistisch“ bezeichnet werden. Im Design sind besonders die stilistischen Kategorien funktionalistisch, minimalistisch, organisch und klassisch verbreitet.

Stilmix, der

[stiːlmɪks]

Kombination von Stilelementen unterschiedlicher Herkunft – etwa verschiedener historischer Zusammenhänge (vgl. „Eklektizismus“) oder ästhetischer Gestaltungsrichtungen. In der Regel werden hierbei jeweils Produkte unterschiedlichen Designs eingesetzt, und nicht etwa verschiedene Stile innerhalb eines Produkts bzw. einer Kollektion vermischt, sodass die Stile erkennbar bleiben. Im Interior Design ist es eine gängige Methode. Hierbei werden die Stilelemente meist sparsam dosiert, um Akzente und Kontraste zu setzen. So soll eine Spannung aufzubauen und gewohnte Sichtweisen aufgelockert warden. Auf diese Weise kann einem minimalistischen oder puristischen Ambiente ein individuelles Gepräge gegeben werden. Eine Motivation ist, eine frische Sicht auf Dinge zu provozieren, die aufgrund ihrer glatten Perfektion als ästhetische Norm gelten.

Struktur, die, Pl.: Strukturen

[ʃtʀʊkˈtuːɐ̯]

Unter Struktur (von lat.: „structura“ = ordentliche Zusammenfügung, Bauwerk) versteht man den (inneren) Aufbau eines Gegenstandes oder eines Systems. Im Design ist diese Struktur nicht immer erkennbar, wenn etwa die konstruktiven Teile eines mehrschichtig aufgebauten Körpers durch eine äußere Schicht oder Polsterung ergänzt oder kaschiert werden, die entweder eine Nutzungsfunktion (wie ein Polster) oder eine formale Aussage tragen (plastische Form, Hülle, Verbindungen und Verblendungen).

Styling, das, Pl.: Stylings

[ˈstaɪ̯lɪŋ]

Styling bedeutet die formalästhetische Überarbeitung eines Produkts im Sinne einer Verschönerung der Hülle mit dem Ziel besserer Verkäuflichkeit. Styling bezeichnet einen meist geringfügigen, rein äußerlichen Feinschliff. Hiermit soll der Kaufanreiz durch den hohen optischen Wert beeinflusst werden. Styling wird in ver-schiedensten Bereichen angewendet, neben Essen oder Blumen auch in der Innenraumausstattung. Dies gilt auch für Ausstellungen oder Ausstellungsbäder, die mithilfe angemessener Dekoration (vgl. Accessoires) an Attraktivität gewinnen sollen. Durch die Auswahl an Styling-Elementen (Formen, Materialien, Farben, Licht) können verschiedene Zielgruppen angesprochen werden.

 

Styling am einzelnen funktionalen Produkt hat sich in den 1930er- bis 1950er-Jahren in den USA zum dominanten Stilprinzip entwickelt. Eine Form wird nicht aufgrund einer funktionalen Anforderungen gewählt, sondern weil sie einen hohen optischen Reiz bietet. Als Begründer des Stylings gilt Raymond Loewy. Seine berühmtesten Produkte neben diversen Kühlschränken oder dem Greyhound-Bus sind wohl die Lucky-Strike-Zigarettenpackung und das Shell-Logo. Das Styling entwickelte sich aus der Werbung und wurde als Ausdruck des Fortschrittglaubens zum Inbegriff des American Way of Life. Hier galt Design in erster Linie als Marketingfaktor, während die europäische Schule (William Morris, Werkbund, Bauhaus, HfG Ulm) Design immer mit moralischen, künstlerischen und gesellschaftlichen Ambitionen verknüpfte. Charakteristisches formales Merkmal des Stylings ist die Stromlinienform (vgl. Stromlinienform).

Sustainable Bathroom, das

[səsˈteɪnəbᵊl ˈbɑːθruːm]

Das Sustainable Bathroom beschreibt die nachhaltigen Entwicklungen des Badezimmers. Neben Res­sour­cen­scho­nung, Ener­gie­ma­nage­ment und nach­hal­ti­ger Pro­dukt­ent­wick­lung wer­den dabei wohl auch ganz neue Kon­zepte wie die Kreis­lauf­wirt­schaft eine zen­trale Rolle spie­len. Dabei geht es nicht nur um die Verwendung natür­li­cher Mate­ria­lien, lang­le­bi­ges Design sowie die nach­hal­ti­ge Pro­duk­tion und Funktion von Sani­tär­pro­duk­ten, sondern auch um Handlungen, wie etwa einen bewussten Umgang mit Wasser, um Energie und Ressourcen zu schonen.

Symbol, das

[zʏmˈboːl]

Die Armatur Axor Starck 1 symbolisiert eine Wasserpumpe

Das Design der Armatur Axor Starck 1 ist einer Wasserpumpe nachempfunden.

Symbol (lat./griechischen Ursprungs) ist ein Bild für etwas anderes, ein über Konventionen definierter Bedeutungsträger, der als Kennzeichen, Emblem oder Sinnbild fungiert. Seine Funktion als Zeichen erhält es dadurch, dass es stellvertretend für etwas nicht Wahrnehmbares steht. Symbolisch meint also zunächst einmal „stellvertretend“ oder „auf einen tieferen, verborgenen Sinn hinweisend“.

 

Im Designkontext sind Symbole weniger direkte oder unmittelbare Zeichen (als die sie etwa in der Sprachtheorie gelten und auf Verkehrsschildern auftauchen) als indirekte bzw. mittelbare Zeichen. Ein Symbol steht für etwas anderes als der Gegenstand selbst und weist über ihn hinaus. Symbole, wie sie in Religion, Mythos oder Kunst vorkommen, lassen sich in ihrer Bedeutung oft nicht rational übersetzen oder interpretieren. Ähnliche Bedeutungstiefe lässt sich zwar auch im Design finden, doch haben Symbole hier eher eine emotionale Funktion. Entweder die Form selbst repräsentiert eine vertraute, konventionelle Welt (wie etwa der Ohrensessel oder die einer Pumpe nachempfundene Axor Starck 1 Armatur), oder einzelne Gestaltungselemente stehen für etwas außerhalb Liegendes. Die symbolische Funktion von Design (im Unterschied zur Anzeichenfunktion, mit dem Verwendungszweck und Bedienung angezeigt werden) zeigt sich im Verweis auf gesellschaftliche Kontexte. So symbolisierte der Bauhausstil Avantgarde-Denken, der Funktionalismus den industriellen Fortschritt, der Landhausstil das einfache Leben und Minimalismus Kultiviertheit und Hightech-Komfort.

Symmetrie, die

[zʏmeˈtʁiː]

Doppelwaschtisch Badu von burgbad in symmetrischer Anordnung

Der Doppelwaschisch der Serie Badu von Burgbad verwandelt eine asymmetrische Gestaltung in eine symmetrische Anordnung.

In der griechischen Antike wurde das ästhetische Prinzip der Symmetrie erstmals beschrieben als die Ausgewogenheit, die sich im Verhältnis des Ganzen zu seinen Teilen zeigt. Später – insbesondere im Barock – stand die Spiegelbildlichkeit aller entlang einer Mittellinie angeordneten Teile eines Ganzen im Vordergrund. In der Gestaltung bedeutet Symmetrie soviel wie Ebenmaß: zwei oder mehr Elemente sind proportional und formal gleich angelegt und stehen räumlich in einem eindeutigen Bezug zueinander. Ein symmetrischer Aufbau arbeitet meistens mit geometrischen Grundformen. Dadurch wird ein klassischer Eindruck erzielt. Bewegung innerhalb eines symmetrischen Aufbaus hat immer eine klare Ausrichtung. Spiegelbildliche Anordnung, Axialität und wiederkehrende Formen ergeben dann einen gerichteten Bild- oder Raumeindruck.

 

Wahrnehmungspsychologisch kommt die Symmetrie dem menschlichen Bedürfnis nach Ordnung entgegen. So galt die symmetrische Gliederung des menschlichen Körpers in der Renaissance als ultimativer Maßstab für die Kunst. Wo sich in der Natur Symmetrie zeigt, fällt dem Menschen das Wiedererkennen bzw. die Orientierung leichter, und er empfindet den Anblick als angenehm. In der Architektur ist die Symmetrie unter statischen Gesichtspunkten wichtig. Aber auch ästhetisch bewirkt ein symmetrischer Aufbau einen Spannungsausgleich.

T

Tiny Bathroom, das

[ˈtaɪni ˈbɑːθruːm]

Der Begriff Tiny Bathroom bezeichnet ein kleines kompaktes Badezimmer. Mit dem Trend zum Kom­pakt­bad für urba­nes Woh­nen ent­wi­ckeln Indus­trie und Bad­pla­nung inno­va­tive, maß­ge­schnei­derte Lösun­gen für kleine Grund­risse. Das Tiny Bathroom ver­bin­det eine schlichte Ästhe­tik, neue, grö­ßen­re­du­zierte Pro­dukt­ka­te­go­rien und höchste Kom­fort­an­sprü­che zu einem indi­vi­dua­li­sier­ten Bade­zimmer.

Trend, der

[tʀɛnt]

Ein Trend (von engl. „trend“, aus dem Mittelhochdeutschen „trendeln“, kreiseln, nach unten rollen) ist eine meist kurzlebige Modetendenz, die Richtung, in die eine Entwicklung geht. Im Badezimmer werden Trends aufgrund der geforderten Langlebigkeit einer Badausstattung meist in abgemilderter, konventionell gebrochener Form umgesetzt. Dennoch beobachten Kreative aktuelle Trendentwicklungen, Wohntrends und Architekturströmungen genau, um entsprechend der erkennbaren langfristigen formalen und bedarfsrelevanten Entwicklung neue Produkte zu gestalten, die eine lange Gültigkeit besitzen.

U

Unikat, das

[uniˈkaːt]

Unikat bezeichnet (lat. „unus“, einer, ein einziger) ein Objekt oder ein Produkt, das es so nur einmal gibt. Obwohl das (demokratische) Wesen des Designs sich eigentlich in der Möglichkeit zur Vervielfältigung und seine Qualität sich in der Serienproduktion erweist, sind Unikate heute nicht mehr nur auf dem Kunstmarkt zu finden. Vielmehr werden auch Designprodukte in Form von Sonderauflagen eines Seriendesigns oder als einzigartiger Entwurf angeboten. Mit speziellen Produktionsverfahren lassen sich beipielsweise auch Oberflächen oder etwa die Anordnung von Versrebungen so gestalten, dass sie jeweils einzigartig sind.

Universal Design

Universal Design von HEWI

Der Sanitärproduktehersteller HEWI hat sich ganz dem Universal Design verschrieben. Besonders die Serie S 900 soll das zum Ausdruck bringen.

Ein Design von Produkten, Gebäuden und öffentlichem Raum, das allen Altersgruppen gerecht wird und auch für Menschen im hohen Alter funktional ist. Dabei müssen werder besondere Ausstattungselemente hinzugefügt noch muss darauf verzichten werden. Im deutschen Sprachraum ist hierfür der nicht ganz so weit greifende Begriff „barrierefrei“ gängig. Im asiatischen Raum hingegen ist Universal Design weithin anerkannt. In den USA wird das Konzept altersunabhängigen Designs mit „design for all“umschrieben, eine Beschreibung die auch im Deutschen als “Design für alle” verwendet wird. In Großbritannien wird die integrative Grundhaltung durch die Formel „inclusive design“ ausgedrückt.


Die wichtigsten Gestaltungsprinzipien des Universal Design sind – neben den grundsätzlichen Anforderungen an gutes Design wie etwa Ästhetik und Langlebigkeit – die breite Nutzbarkeit, die Flexibilität in der Nutzung, die einfache und intuitive Benutzung, die hohe Fehlertoleranz und Sicherheit sowie die Ergonomie. Ziel ist die Schaffung einer flexiblen, generationen-übergreifenden Wohn- und Lebenssituation.

W

Wellbeing Bathroom, das

[ˌwɛlˈbiːɪŋ ˈbɑːθruːm]

Das Wellbeing Bathroom (in Abgrenzung zum Begriff Wellness) bezeichnet umfassend das, was ein Badezimmer zum allgemeinen Wohlbefinden beitragen kann. Das alte Well­ness-Kon­zept greift hierbe zu kurz. Denn zum Wohl­be­fin­den gehört heute mehr als zur Zeit der Fit­ness-Stu­dios, Ent­schla­ckungs-Kuren und Sauna-Besu­che. Wäh­rend Well­ness den Fokus auf kör­per­li­che Fit­ness und Ernäh­rung legt, um Leis­tungs­fä­hig­keit und Aus­se­hen zu ver­bes­sern oder zu erhal­ten, wird heute mehr Wert auf all­ge­meine kör­per­li­che und geis­tige Gesund­heit gelegt. Diese zweite Ebene des Wohl­be­fin­dens ist gemeint, wenn der inter­na­tio­nal gän­gige Begriff Well­being ins Spiel kommt. Denn wäh­rend mit dem Begriff Well­ness eher die phy­si­sche Dimen­sion des Wohl­be­fin­dens gemeint ist, steht Well­being für die men­ta­len und emo­tio­na­len Aspekte. Der Well­being-Trend beschreibt einen Life­style, bei dem nicht nur nach Ent­span­nung, son­dern auch nach sinn­stif­ten­den Akti­vi­tä­ten gesucht wird, die die Zufrie­den­heit stei­gern und glück­brin­gend sind.

Wellness, die

[ˈwɛlnəs]

Der Begriff Wellness steht für ein Gesundheitskonzept, das über die körperliche Fitness hinausgeht. In den späten 1950er Jahren entwickelte der amerikanische Sozialmediziner Halbert L. Dunn aus den Worten für Wohlbefinden (englisch wellbeing*) und körperliche Leistungsfähigkeit (englisch fitness) das neue Kofferwort Wellness und legte damit den Grundstein für die US-amerikanische Wellness-Bewegung. Im alltäglichen Gebrauch wird Wellness mit einer passiven Form der Entspannung gleichgesetzt (Wellness-Urlaub). Aktive körperliche Betätigung wird eher nicht als Wellness empfunden.

Z

zeitlos

[ˈt͡saɪ̯tloːs]

Nicht zeitgebunden. Bezeichnet einen als ideal empfundenen, alterslosen Zustand. Bezogen auf Design und Architektur bedeutet das eine immerwährende, klassische Formgebung oder eine Wohnungsausstattung, die keiner Stilepoche unterworfen und somit zeitlos ansprechend ist.

Zitat, das

[t͡siˈtaːt]

Die quadratische Version der freistehenden Badewanne Zencha von Duravit zitiert in ihrer Form ein japanisches Onsen-Bad.

Das Wort kann aus dem lateinischen Wort „citare“ (= herbeirufen) hergeleitet werden und hat die Bedeutung einer wörtlich übernommenen Stelle aus einem Text. Im Architektur- und Designkontext bedeutet es die Wiederverwendung von Teilen eines älteren bzw. historischen Entwurfs für die Gestaltung eines neuen. Das Zitieren ist eine schon in vielen Kunstepochen beliebte, im 20. Jahrhundert vor allem von der Postmoderne wiederbelebte Technik. Während das Zitat in der Postmoderne vor allem ironisch und spielerisch eingesetzt wurde, sucht das Design des modernen Eklektizismus mithilfe des Zitierens zu neuen Forminterpretationen und damit zu neuen Formen zu finden.