Kaldewei mit „Sanfte Stärke“ auf der Casa Decor in Madrid

Den Besuchern der Kaldewei-Ausstellung „Sanfte Stärke“ auf der Casa Decor begegnet eine Abfolge von Ebenen, die sich nach und
nach erschließen und eine ruhige Wahrnehmung fördern.
Foto: ILV*
Isabel López Vilalta, Jordi Canosa
Die Innenarchitektin Isabel López
Vilalta hat für Kaldewei auf der Interior-Design-Ausstellung Casa Decor in
Madrid einen Raum „Sanfte Kraft“ geschaffen, der das Badezimmer als Ort der
Balance, Ruhe und sinnlichen Erfahrung definiert. Ausgehend von einem stillen
Dialog zwischen Gegensätzen – dem Industriellen und dem Femininen, der
Vergangenheit und der Gegenwart – wirft das Projekt eine eigne Sichtweise auf
das Badezimmer als Ort der Ruhe und der Verbundenheit.
„Der Entwurf ist nicht als
explizite narrative Szene konstruiert, sondern als eine umhüllende Atmosphäre.
Die skulpturale Volumetrie organisiert den Raum aus einer zeitgenössischen
Perspektive neu und schafft einen subtilen Kontrast zwischen architektonischer
Präzision und der Wärme der Materialien. Das Ergebnis ist ein ruhiges Umfeld,
das die Besucher dazu einlädt, innezuhalten und zu beobachten“, erklärt Isabel
López Vilalta.
Wahrnehmung und Perspektiven

Ein markantes Element ist
der von der Decke abgehängte Spiegel, der eine unerwartete Perspektive eröffnet.
Foto: ILV*
Isabel López Vilalta, Jordi Canosa
Im Einklang mit dieser Idee
entfaltet sich der räumliche Weg schrittweise und vermeidet eine unmittelbare
Lesbarkeit. Die Besucher betreten eine Abfolge von Ebenen, die sich nach und
nach erschließen und eine ruhige Wahrnehmung fördern. Ein markantes Element ist
der von der Decke abgehängte Spiegel, der eine unerwartete Perspektive eröffnet
und das Verständnis sowohl des Raums als auch seiner Elemente aus einem neuen
Blickwinkel erweitert.
Ebenso basiert das Erlebnis auf der
bewussten Suche nach Ausgewogenheit zwischen seinen Komponenten. Ehrliche
Architektur, Licht und Materialität wirken als integriertes System: Während die
Struktur organisiert, verleihen die Oberflächen Nuancen und das Licht moduliert
die Introspektion. Auf diese Weise werden Volumen entweder hervorgehoben oder
abgeschwächt, wodurch eine dynamische und tief sinnliche Umgebung entsteht. Der
Einsatz transluzenter Stoffe und eine zurückhaltende Farbpalette schaffen zudem
einen feinen Gegenpol, der die Komposition sanft abrundet.
„Die Absicht war nicht, ein Bild zu
erzeugen, sondern eine Emotion zu gestalten“, erläutert Vilalta weiter: „Wir
wollten, dass sich die Besucher vom Raum tragen lassen, ihn ohne Eile
durchschreiten und ihn nicht nur visuell, sondern über ihre Wahrnehmung
verstehen.“
Ehemalige Zusammenarbeit als Ursprung

Im
Zuge einer früheren Zusammenarbeit entwickelte Kaldewei Produkte in einer
Terracotta-Sonderfarbe, deren Materialität und Farbton als wesentlicher
Bestandteil des Konzepts in die Casa Decor übertragen wurden.
Foto: ILV*
Isabel López Vilalta, Jordi Canosa
Dieser Ansatz steht in direktem
Zusammenhang mit dem Ursprung der Zusammenarbeit mit Kaldewei, die aus einem
derzeit in Entwicklung befindlichen Projekt in San Sebastián hervorgegangen
ist. Dort arbeitet das Studio der Designerin gemeinsam mit dem Architekten
Ignacio Quemada an der Umwandlung eines ehemaligen Theaters in ein Hotel. Im
Zuge dieses Prozesses entwickelte die Marke Produkte in einer
Terracotta-Sonderfarbe, deren Materialität und Farbton nun als wesentlicher
Bestandteil des Konzepts in die Casa Decor übertragen wurden.
Innerhalb der Erzählung erhalten
die Badelemente eine besondere Bedeutung und tragen zu einem Raum bei, der
bewusst als erlebbarer Ort konzipiert ist. Hervorzuheben ist dabei die
Badewanne Nuio Duo Zen Edition, die durch Wärme, Klang und Licht eine
multisensorische Dimension einführt und das Gesamterlebnis subtil begleitet.
Gleichzeitig entsteht Wohlbefinden
aus grundlegenden Elementen – Proportion, Lichtführung und Materialauswahl. Im
Gegensatz zur Unmittelbarkeit stehen Ruhe, Qualität und Zeitlosigkeit im
Vordergrund. In einem abgeschiedeneren Bereich ergänzt das Geräusch von Wasser
in der Dusche die Wahrnehmungsebene und ruft das Ritual des Badens hervor,
wodurch dessen Wellness-Dimension verstärkt wird. Dieses Konzept spiegelt die
Entwicklung des Badezimmers als Raum der persönlichen Pflege wider.
Gemeinsame Grundlagen

Ein wesentliches Element der Ausstellung ist die
Badewanne Nuio Duo Zen Edition, die durch Wärme, Klang und Licht eine
multisensorische Dimension einführt und das Gesamterlebnis subtil begleitet.
Foto: ILV*
Isabel López Vilalta, Jordi Canosa
Das Studio ILV* Isabel López
Vilalta hat eine intime Umgebung geschaffen, in der das Gleichgewicht zwischen
Licht, Material und Form mit zurückhaltender Eleganz zum Ausdruck kommt.
Dieser Schnittpunkt – beinahe eine
natürliche Verbindung zwischen Architektur, Material und Erfahrung – bildet
zugleich die Grundlage der Affinität zu Kaldewei. Nicht durch eine explizite
Präsenz, sondern durch ein gemeinsames Verständnis von Design: ehrlich,
langlebig und bewusst im Hinblick auf seine Wirkung über die Zeit. Die
Zusammenarbeit mit dem ILV-Studio basiert genau auf diesem Fundament, in dem
Produkt und Architektur in Dialog treten, ohne sich aufzudrängen. Stahl-Emaille
integriert sich mit ihrer Reinheit, Widerstandsfähigkeit und kreislauffähigen
Qualität als weitere Schicht in das Projekt. Über die Ästhetik hinaus verbindet
beide Ansätze die Vorstellung des Badezimmers als essenziellen Raum, in dem
sich Technik und Emotion auf natürliche Weise ausbalancieren. So geht das
Projekt über seinen temporären Charakter hinaus und folgt einer Logik der
Kontinuität, die einem Designverständnis entspricht, das über die Gegenwart
hinausblickt.
„Es wurde so konzipiert, dass es
demontiert und wiederverwendet werden kann und ein zweites Leben im
Kaldewei-Showroom in Deutschland erhält, wodurch sein Lebenszyklus verlängert
wird“, lautet Vilaltas abschließendes Fazit.
