Green Bathroom: 8 Fakten zur ökologischen Badplanung

03/21
Green Bathroom

Welche Möglichkeiten gibt es, ein Badezimmer wirklich „grün“ und nachhaltig zu planen? Profis wie Endkunden sollte bewusst sein, dass ein Green Bathroom zwei Planungsebenen hat: eine ausstattungstechnische und eine emotional-gestalterische. Wo es auf der einen Seite um ganzheitliche Konzepte und harte Fakten geht, dreht sich auf der anderen Seite alles um das Ambiente und das Gefühl von Naturverbundenheit, das ein solches Badezimmer vermitteln kann.

Natürliche Materialien, langlebiges Design und die Bescheinigung nachhaltiger Produktion von Sanitärprodukten sind heute bei deutschen Sanitärunternehmen quasi Standard. Bislang war das Thema beim Storytelling für eine neue Badplanung aber kaum im Fokus. Das scheint sich gerade zu ändern: Private Bauleute achten zunehmend auf eine positive Ökobilanz und fordern immer mehr das „grüne“ Badezimmer. Das Green Bathroom ist ein Toptrend und wird in den nächsten Jahren die Badplanung dominieren. Hier die 8 wichtigsten Fakten und praktische Tipps für Planer zum ISH-Trend 2021:

1. Storytelling: den „grünen Mehrwert“ beschreiben

Badplaner und Architekten sollten die Bedürfnisse und Motive der Bauleute in einem Gespräch analysieren: Wie weit geht der Wunsch nachhaltig zu bauen und zu leben? Welche Story können Planer erzählen? Eine vierköpfige Familie wäscht sich unter Pandemie-Bedingungen rund 50-mal am Tag die Hände – hier könnte sich eine berührungslose Armatur lohnen, um Energie- und Wasserverbrauch zu reduzieren. Manchmal sollten Badplaner neben den technischen Features auch die emotionalen Aspekte bedienen: Soll das Raumklima durch Pflanzen optimiert werden? Fühlen die Bauleute sich mit regional erzeugten Produkten wohler? Welche Sicherheiten kann man ihnen bieten?

2. Glaubwürdigkeit: von A – Z klimaneutral

Badplaner können sich auf das Thema Nachhaltigkeit spezialisieren und so den Kunden Sicherheit bieten. Denn der Dschungel aus Handlungsfeldern für eine nachhaltige Produktion, Gesetze, Normen und Zertifikate ist für sie kaum zu durchdringen. Andererseits erkennen die Kunden heute schnell, wenn Marken lediglich Greenwashing betreiben – also nur durch Scheinargumente vorgeben, umweltbewusst zu handeln. Wer nicht nur die Hintergründe zu den einzelnen Siegeln kennt, sondern auch die Kritik der NGOs und die Nachhaltigkeitsberichte der Unternehmen studiert, kann durch Argumente überzeugen und Markenempfehlungen aussprechen. Nur, wer auch nachhaltig handelt, gewinnt Glaubwürdigkeit – das gilt auch für Planer: E-Auto, klimaneutrale Büroräumlichkeiten oder die Kompensation über die Baumpflanzungen setzen hier die richtigen Signale. Bei der Planung eines Green Bathrooms ist die Glaubwürdigkeit die wohl wichtigste Kompetenz von Badplanern.

3. Dreamteam: Hygiene und Nachhaltigkeit

Spülrandlose WCs benötigen weniger Reinigungsmittel und produzieren weniger Aerosole; Dusch-WCs reinigen gründlich mit Wasser und helfen Klo-Papier zu sparen; und auch eine berührungslose WC-Betätigungsplatte mit 2-Mengen-Funktion hilft Wasser und Reinigungsmittel zu sparen. Auch berührungslose Armaturen und leichter sauber zu haltende Oberflächen helfen nicht nur der Natur, sondern erhöhen gleichzeitig den Hygienestandard – eine klassische Win-win-Situation.

4. Biophilie Architektur und Haustechnik

Badezimmer mit Blick in den Garten, mit Ausrichtung nach Osten oder in Richtung eines uneinsehbaren Gartenteils (evtl. mit Terrassen- oder Gartenzugang), mit Verbindung zu einem Wintergarten oder in Mittellage zwischen Eltern- und Kinderzimmer – schon bei der Planung kann das Bad durch eine integrative, biophile Architektur aufgewertet und nach ökologischen Aspekten geplant werden. Dabei lassen sich Wärme- und Energie-Bedingungen optimieren, etwa mit Fußbodenheizung, grünem Strom vom Dach, Grauwasser-Recycling-Anlage oder durch innovative Handtuchwärmer. Moderne Bäder haben mindestens 10 Quadratmeter und große Fensterflächen. Individuelle Lösungen sind gefragt – sowohl für Einfamilienhäuser als auch bei Musterbädern für Mehrfamilienhäuser. Das Badzimmer ist ein Schlüsselraum in Sachen Nachhaltigkeit.

5. Wassersparen – zwischen Mythos und Jahrhundertaufgabe

Wassersparen bei Hygienestandards ist eine der größten Herausforderungen für die Sanitärausstattung – vor allem in ärmeren und regenarmen Regionen. Hierzulande hingegen ist übertriebenes Wassersparen mancherorts sogar kontraproduktiv: Die Abwasserbetriebe benötigen Brauchwasser, um die Rohre frei zu spülen. Entscheidend hingegen ist: Warmes Wasser sollte möglichst sparsam einsetzt werden. Hier helfen berührungslos zu bedienende Armaturen. Die aktuelle Generation von Armaturen, Handbrausen und Regenduschen optimiert den Wasserverbrauch deutlich – und zwar ohne Komfortverlust. Auch spülrandlose WCs benötigen immer weniger Wasser. Duschen verbraucht nicht nur weniger Wasser, sondern auch weniger Energie als eine ganze Wannenfüllung, und mit der Aussicht auf eine angesagte bodenebene Dusche wird nicht nur die Dusch-Lust, sondern auch der technische Standard des Badezimmers erhöht.

6. Recycling – Nutzungsdauer bei der Planung beachten

Bei einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von 15 bis 20 Jahren eines Badezimmers wird bei der Planung das Ende zu selten thematisiert. Das ändert sich gerade, denn Recycling ist eines der Hauptargumente bei einer nachhaltigen Planung. Hierbei steht der Einsatz von möglichst problemlos recyclefähigen Materialien ganz oben auf der Liste. Hier hat die Sanitärwirtschaft gute Argumente, denn Sanitärkeramik oder Stahl-Emaille sind nicht nur lange haltbar (oder landen für ein paar zusätzliche Nutzungsjahre auf der Kuhweide), sondern auch zu 100 % recyclingfähig. Gleichzeitig dürfte in Zukunft aber mehr auf das Material geachtet werden, das unsichtbar oder hinter der Wand verbaut wird. Auch im Sinne besserer Reparaturmöglichkeit könnten hier Konzepte mit austauschbaren Komponenten Lösungen bieten.

7. Langlebiges Design: zeitlos, attraktiv und dennoch individuell

Eine möglichst lange Nutzungsdauer von Produkten im Badezimmer ist eine wichtige Komponente im Green Bathroom. Langlebiges Design und eine hohe Produktqualität sind die Garanten für eine lange Nutzungszeit. Im Idealfall verändert sich das Badezimmer mit den je nach Lebensabschnitt wechselnden Anforderungen. Modische Aktualität und persönliche Stilpräferenzen werden durch den Einsatz von Accessoires oder durch eine Renovierung der Wände und Böden erreicht. Im Idealfall sind die Sanitärprodukte eine weiße Leinwand bzw. Plattform zur Inszenierung des Bades durch die Nutzer.

8. Interior Design: florale Muster, natürliches Holz, aber trotzdem wasserabweisend

Neben der technischen Ebene besitzt die symbolische Kraft von Bildern für die Gestaltung eines Green Bathrooms eine besondere Bedeutung, denn sie zahlt in hohem Maß in die Aufenthaltsqualität des Bades ein. Das Interior Design im Green Bathroom kann schlicht, einfach und reduziert sein, um die Nachhaltigkeit zu betonen. Es kann aber auch natürliche Elemente zitieren, um ein grünes Feeling zu erzielen: etwa durch florale Muster und Tapeten, natürliche Materialien und Oberflächen, mit dem Tagesverlauf variierende Lichtprogramme oder schlicht durch den Einsatz der Farbe Grün. Dabei kann die Natur auch durch hochwertige Oberflächen in natürlicher Optik imitiert werden, und auch die aktuellen Outdoor-Produkte machen im Bad eine gute Figur. Gemeinsam sind allen Gestaltungselementen ein problemloser Einsatz im klimakritischen Bad.


Zur ISH digital 2021 haben wir den Trend Green Bathroom und Smart Bathroom in einer Installation visualisiert. Hier geht es zur Ausstellung mit 360 Grad-Rundblick.