Der Wunsch nach Originalität und
nach Selbstverwirklichung im Bad

 

Sie ist so allgegenwärtig, dass uns die Reichweite dieser Entwicklung kaum bewusst ist: die Individualisierung, der Megatrend unserer Zeit. Als wäre die Uniformität, die dank global penetrierter Marken, in allen Sprachen über die Bildschirme flirrender Soaps und gesichtslos-glatter Architektur in den Mega-Citys und Metropolen rund um den Globus herrscht, bloß so etwas wie ein Blue Screen, ein Hintergrund für das Anders-Sein des Einzelnen. 

 

Ob es nun die Globalisierung, die von Magazinen normierte Ästhetik und die alles mit sich reißenden modischen Trendwellen sind, die erst den Druck erzeugen, sich als „anders“ zu definieren, oder ob sie uns im Gegenteil erst die Freiheit zur Individualisierung gebracht haben – Tatsache ist, dass der Wunsch nach Originalität und nach Selbstverwirklichung immer stärker wird. 

 

Und so wird auch nicht mehr für Generationen gebaut, sondern für die eigenen Ansprüche, nicht mehr für das Morgen, sondern für das Jetzt. Diese Entwicklung bleibt auch nicht an der Badezimmertür stehen, obwohl ihr diese wohl am Längsten verschlossen blieb. Schließlich soll ein Bad allgemeinen Nutzungsanforderungen gerecht werden und zeitlos aussehen, damit es bei Bedarf auch von nachfolgenden Bewohnern genutzt werden kann. Doch das, was zu Pionierzeiten des Industriedesigns als fortschrittlich galt, nämlich die Standardisierung, wird heute als überholt, unzeitgemäß und im besten Falle noch als „befriedigender“ Ist-Zustand angesehen. Stattdessen gelten heute das „Mix and Match“, das originale Designobjekt oder zumindest das originelle Vintage-Stück zum guten Ton anspruchsvoller Badgestaltung, und auch beim Bodenbelag ist etwas Besonderes wie etwa Used-Optik angesagt. Ein wenig Extravaganz vielleicht noch bei der Regendusche, und das war’s, fertig. 

 

War es das wirklich? Ist Individualisierung wirklich mehr oder weniger gleichbedeutend mit Originalität? Erschöpft sie sich im „Drumherum“? Wie steht es um die Badprodukte selbst? Bei der Möblierung ist eine Individualisierung noch am ehesten denkbar. Aber wie realistisch beziehungsweise praktikabel sind etwa maßgefertigte Möbel, die aus der Fabrik und nicht vom Tischler kommen? Und was ist mit Badewanne, Armaturen, Duschen, Keramik? Wie sollten sie individualisierbar sein? Oder gar veränderbar? 

 

Was viele Konsumenten noch futuristisch anmutet, ist bei der Industrie schon längst in der Entwicklung, vieles sogar schon marktreif. Daher wollen wir mit unserer Trendplattform Pop up my Bathroom dieses Jahr die Möglichkeiten der Individualisierung im Badezimmer untersuchen, unterschiedliche Lösungsansätze vorstellen, die von den Herstellern verfolgt werden, und die Richtungen herausstellen, in welche der Trend zur Individualisierung unsere Badkultur lenkt. 

 

Denn neben der demografischen Entwicklung und der dadurch notwendigen Anpassung des Bad-Designs gehen von der Individualisierung die stärksten Impulse für die Branchenentwicklung aus. Renovationsfreundlichkeit und veränderbare Komponenten, individualisierbare Programme und digitale Programmierbarkeit, Multifunktionalität und Nachhaltigkeit sind nur einige der Ansprüche, die sich daraus ableiten. Selektionshilfen, intelligente Installationssysteme – sowohl für Neubau als auch für die Renovation – und eine neue Schulungskultur werden aufseiten des Handwerks nötig sein, um die Herausforderung dieses Megatrends erfolgreich umzusetzen. 

 

Es ist, streng genommen, eigentlich ein Widerspruch in sich, typisch individuelle Bäder zu gestalten. Wir haben es trotzdem versucht – mit den hier vorgestellten Bädern, die als innovative 3D-Collagen ein halb realistisches, halb visionäres Bild vom individualisierten Bad zeichnen. Schließlich gibt es auch bei der Individualisierung Muster, denen wir folgen. Ich hoffe, sie gefallen Ihnen und Ihren Lesern/Followern/Individualisten. 

 

Mehr über die einzelnen Trends erfahren Sie bis zum Beginn der ISH in unserem Blog.