Zurück zur Natur

Es sind die einfachen Dinge, die den Traum von einem „grünen“ Bad ausmachen: an einem schönen Morgen barfuß über einen taunassen, moosweichen Rasen gehen, der gleich hinter den gläsernen Flügeltüren wartet; das weiche Wasser einer Schwallarmatur mit den Händen auffangen; eine Dusche wie ein Sommerregen; glatt gelaufene Holzdielen, die nach Kiefernwald duften. 

Der schon seit der Romantik immer wieder auftauchende Wunsch nach einer Vereinbarkeit von Natur und Zivilisation ist nicht ohne Grund heute wieder so aktuell. Als Gegenbild für unseren schnelllebigen, auf Leistung und Effizienz getrimmten Lifestyle mit seinen wechselnden Moden und perfekten, voll klimatisierten Lebensräumen etabliert sich eine neue Einrichtungskultur, die auf Nachhaltigkeit, langlebiges Design und gesundes Wohnen Wert legt. Lange wurde in diesem Zusammenhang fast ausschließlich von Möbeln (zumeist aus Holz), emissionsarmen Farben und Lacken oder von einem gesunden Raumklima gesprochen. Dass das Bad als Inbegriff moderner Entspannungs- und Regenerationskultur bisher wenig aus der Perspektive von „Green Living“ betrachtet wurde, liegt vielleicht daran, dass das Bad weder als ökologisch bedenklich gilt noch besonders organisch wirkt – zumindest in dem ehemals sterilen Ambiente klassischer Badgestaltung. Doch das hat sich geändert. Das moderne Bad präsentiert sich heute als wohnlicher Raum, in dem die unterschiedlichsten Materialien und Formen Anwendung finden, und auch sein Potenzial für umweltneutrales Bauen und Ressourcenschonung rücken immer stärker in den Fokus. Wir wollen die Umwelt schonen, Energie sparen und uns „natürlich“ wohl fühlen – auch und gerade im Bad. 

Die Gestaltung eines „Green Bathroom“ ist nicht ganz so einfach

Dabei ist uns schon klar, dass die Gestaltung eines „Green Bathroom“ nicht ganz so einfach ist, wie wir es uns in dem romantischen Bild eines naturnahen, ursprünglich anmutenden Lebensstils ausmalen. Der Weg zu einem nachhaltigen Badezimmer führt im Gegenteil über technisch hochkomplexe Produkte und Technologien. Das Green Bathroom ist ein Zukunftskonzept, das Wasser und Energie sparende Produkte, umweltschonende Industrieproduktion, nachhaltigen Materialeinsatz und ein langlebiges Design optimal kombiniert. 

 

Getrieben wird der Trend zum Green Bathroom gleich von zwei Seiten: zum einen von einer allgemeinen Sehnsucht nach einem naturnahen Erleben, und zum anderen von rationaler Notwendigkeit. Es geht schon lange nicht mehr nur darum, durch den Einsatz Wasser sparender Strahlregler Kosten zu reduzieren. Die Sorge um einen CO2-bedingten Klimawandel, steigende Energiekosten und die sich allmählich durchsetzende Erkenntnis, dass unsere fossilen Energiereserven zur Neige gehen, haben das Bewusstsein der Menschen erreicht. Die Sanitärindustrie reagiert mit nachhaltiger Unternehmensphilosophie, aber auch mit konkreten Produktangeboten an die Verbraucher. 

 

In der Hauptsache zielen nachhaltige Produktkonzepte auf die Reduktion des Wasserverbrauchs, denn der ist im Badezimmer häufig mit Energieeinsatz zur Wassererwärmung verbunden. Mit Durchflussbegrenzern, Perlatoren, Duschstopps und moderner Brausetechnik, bei der kleine Luftblasen in die Wassertropfen eingeschlossen werden, um ein besonders weiches, üppiges Duschgefühl zu erzielen, kann der Wasserbedarf ohne Komfortverlust stark reduziert werden. Darüber hinaus helfen Einhandmischer und Thermostatarmaturen, Einregelungsverluste zu minimieren. Als „Nebeneffekt“ erhöhen solche individuell programmierbaren Thermostatarmaturen zudem ganz erheblich den Dusch- und Badekomfort und lassen sich einfach bedienen. Aber auch am Waschtisch versprechen moderne Armaturen wie die neue Einhandmischer-Serie Logo Neo von Kludi mit eingebautem Eco‑Luftsprudler eine Wasserersparnis von bis zu 40 Prozent. 

 

Doch auch wenn die Industrie und die Designer sich eine Menge einfallen lassen – letztlich ist es der Verbraucher, der entscheidet, wieviel Komfort er wünscht und wieviel Energie und Wasser er dafür verbrauchen will. Es fängt an beim Drücken der Spartaste am Spülkasten und endet bei der Gewissensfrage: baden oder duschen? Zum Glück gibt es inzwischen Badewannen mit cleverem Design und ergonomischer Innenform, die weniger Volumen für einen hohen Füllstand benötigen. Gleichwohl ist Duschen deutlich sparsamer: Im Schnitt braucht ein Vollbad 3- bis 4-mal mehr Wasser und Energie als eine heiße Dusche. Ein Vollbad ist nun einmal ein ganz besonderer Luxus – nicht nur unter Umweltschutzaspekten. 

 

Beim Wasserbedarf moderner WC-Anlagen ist das Einsparpotenzial bereits bis an die Grenze entwickelt worden. Während das 3-Liter-Auto noch nicht wirklich überzeugt, kommen moderne Toiletten wie etwa das WC Omnia GreenGain von Villeroy & Boch durchaus mit 3,5 Litern Spülwasser aus, ohne dass Hygiene- oder Geruchsprobleme entstehen. Gleich ganz ohne Wasser kommt das 0-Liter Urinal McDry von Duravit aus und bietet damit gerade für den (halb-)öffentlichen Bereich einen innovativen Ansatz zum Wassersparen. 

Aber es geht im Green Bathroom nicht nur darum, Wasser zu sparen.

Wasser bedeutet auch Lebenslust und Sinnlichkeit – vor allem in einer modernen Badkultur. Die Beliebtheit formschöner Armaturen, die das Wasser sinnlich inszenieren und natürlich wirken lassen, zeigt, wie wichtig den Menschen der Kontakt zum Lebenselement Wasser ist. Schwallarmaturen, von denen inzwischen auch sparsame Modelle erhältlich sind, und drucklos wasserspendende Armaturen, wie sie etwa Dornbracht in seinem Programm Performing Shower anbietet, lassen das technisch aufwendige Innenleben vergessen und rücken uns den großen Wert der Ressource Wasser ins Bewusstsein. 

 

Denn Trinkwasser ist nicht unendlich vorhanden – während die Weltbevölkerung laut UNO bis zum Jahr 2050 auf 9,3 Milliarden Menschen anwachsen wird, bleibt das globale Trinkwasservolumen gleichbleibend auf 12.000 km3 beschränkt. Damit wird Wasser in der Zukunft zu einer knappen und womöglich umkämpften Ressource. Nicht umsonst haben die Vereinten Nationen im Sommer 2010 den Anspruch auf reines Wasser in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte aufgenommen. Selbst wenn die Resolution bislang wohl eher symbolischen Wert hat, zeigt sie doch die Verantwortung der Industrienationen. So hat etwa Deutschland trotz der durch Bodenversiegelung verursachten Absenkung des Grundwasserspiegels zwar keinen akuten Wassermangel zu befürchten, doch bekennt sich die deutsche Sanitärwirtschaft durchaus zu einer „weltweiten Führungsrolle“ bei der Entwicklung und Produktion fortschrittlicher Wassertechnologie-Systeme, hatte Jens J. Wischmann, Geschäftsführer der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS), bereits aus Anlass des weltweiten „Tag des Wassers“ im März 2010 ausgeführt. 

Lehm, gebackenes Holz und zermahlender Stein

Ein ganz anderer Aspekt bei der Planung eines nachhaltigen Bades ist die Materialfrage. Denn so schön ein weicher Moosteppich und Holzdielen auch sein mögen: Fliesen, Stein oder Beton sind praktischer und wasserunempfindlicher. Geeignete Badmöbel in wohnlichem Design sind inzwischen von etlichen Anbietern und in vielen Programmvarianten zu haben. Wer auf Massivholz im Bad nicht verzichten will, sollte Möbel aus zertifiziertem Holz wählen. Und als Ausbaualternative zu feuchtraumresistenten Tropenhölzern bieten sich einheimische Thermoholzqualitäten an – so genanntes „gebackenes“, also durch thermische Behandlung unempfindlich gemachtes Holz. Ein besonders natürliches Raumklima kann man im Übrigen heute auch mit Lehmwänden oder mit modernen Lehmputzen erzielen, die – zumindest außerhalb des direkten Spritzwasserbereichs – durchaus für Feuchträume geeignet sind, denn sie binden Feuchtigkeit und wirkend klimaausgleichend, wodurch auch der Schimmelbildung vorgebeugt werden kann. Und wer es genauso exklusiv wie natürlich mag, kommt heute am Tadelakt nicht vorbei, jenem aus dem Orient stammenden Kalkputz, der durch das Einpolieren von Olivenseife wasserdicht wird und eine unnachahmliche Patina erhält. 

 

Vergleichsweise leicht haben es Anhänger des Green Bathroom bei der Materialwahl ihrer sanitären Ausstattung: Es gibt kaum ein Material, das produktionstechnisch und baubiologisch unbedenklicher sowie qualitativ haltbarer ist als Sanitärkeramik. Höchstens die Badewanne oder Duschfläche aus Stahlemail ist noch unverwüstlicher und langlebiger. Bei von einigen Herstellern gewährten Garantien von bis zu 30 Jahren erscheint sogar die energieaufwändige Stahlemailproduktion wieder in einem versöhnlicheren Licht. Das macht deutlich, wie wichtig zeitloses Design und Qualitätsprodukte im Bad sind – denn das nachhaltigste Bad ist eines, das lange hält und ebenso lange schön ist. 

 

Die „natürlichen“ Eigenschaften der Keramik – hygienisch, pflegeleicht, langlebig – werden durch eine der von manchen Markenherstellern angebotenen eingebrannten Hightech-Glasuren noch erhöht. So kann etwa auch das so ursprünglich wirkende Waschbecken Bacino (Duravit) mit einer WonderGliss-Oberfläche ausgestattet werden. Ihr schmutzabweisender Effekt ist bekanntlich der Lotusblume abgeschaut. Pflegeaufwand und damit auch der Wasser- und Reinigungsmitteleinsatz werden minimiert – wiederum ein Plus für Badnutzer und die Umwelt. 

 

Doch irgendwann wird auch das schönste Waschbecken ausgemustert. Und was dann? Keine Sorge, Keramik ist vollständig recycelbar: Ähnlich wie bei der Glasherstellung werden bei der Keramikproduktion alte Keramikscherben wieder eingesetzt, und der Rest landet im Bauschutt und wird als Füllmaterial verwendet. Denn Keramik besteht hauptsächlich aus Quarz, Feldspat, Ton und Kaolin (einem Verwitterungsprodukt von Feldspat, auch Porzellanerde genannt). Feldspate und Quarze gelten als die wichtigsten gesteinsbildenden Minerale der Erdkruste. Letztlich bleibt von der Keramik also nichts als zermahlener Stein. 

 

Text: Frank A. Reinhardt